Michael Piesbergen mag es nachts am liebsten zappenduster, um die Sterne zu sehen, aber auch um Tiere nicht zu irritieren. In seinem Garten in Haldenwang bei Kempten steht ein Schild: „Zum Schutz der vielen Arten brennt nachts kein Licht in diesem Garten!“ Sein Highlight: die Earth Night am 11. September.
Paten der Nacht – klingt erstmal geheimnisvoll, nach Mafia oder Vampiren. Entpuppt sich aber schnell als etwas sehr Sympathisches: Piesbergen und seine aktuell etwa 50 Mitstreiterinnen und Mitstreiter in Deutschland und Österreich möchten die nächtliche Lichtverschmutzung in Mitteleuropa verringern. Die zunehmende „Erleuchtung“ von Städten und Gemeinden, immer mehr Lichtwerbung, stärkere Straßenlaternen, Schmuckbeleuchtung in vielen Gärten, abendliche Sportveranstaltungen mit Flutlicht – all das summiert sich zu einem hellen Schein, der für viele Lebewesen die Nacht buchstäblich zum Tage macht, mit negativen Folgen.
Sterne kaum auffindbar
Astronom Manuel Philipp vom Chiemsee hat 2019 die Organisation gegründet. Er hatte zunehmend Mühe, mit seinen Fernrohren die Stars und Sternchen der Nacht zu finden, das von der Erde Richtung Himmel strahlende Kunstlicht der Menschheit trübte das Bild. In vorindustriellen Zeiten waren dunkle Nächte selbstverständlich, nach und nach zündeten die Erdbewohner jedoch immer mehr Lichter an.
Sehr zum Leidwesen des Wahlallgäuers Piesbergen aus Haldenwang: „Dunkellose Nächte führen bei Menschen zu Schlafstörungen, irritieren 60 Prozent der nachtaktiven Lebewesen, vor allem Insekten, und stören deren Futtersuche und Fortpflanzung. Motten orientieren sich am Mondschein und zeigen deshalb ein völlig gestörtes Verhalten.“ Auch der natürliche Vegetationsrhythmus von Bäumen wird durcheinandergebracht, sie werfen ihre Blätter zu spät ab, weil ihnen eine längere Sonnenscheindauer vorgegaukelt wird.
Doch selbst die „Paten der Nacht“ entziehen sich dem Fortschritt nicht und sehen durchaus auch den Aspekt der Sicherheit durch Beleuchtung. Um die allzu große Lichterflut einzudämmen, haben sie einige Vorschläge erarbeitet. Kommunen können bei öffentlicher Beleuchtung, sei es im Straßenbild oder zu besonderen Gelegenheiten wie in der Weihnachtszeit, blaues durch gelbes Licht ersetzen. „Farbton Amber, je gelber und wärmer, desto besser“, sagt Piesbergen. „Wir beraten bereits diverse Kommunen mit Erfolg.“ Mit Abschaltungen nach 22 oder 23 Uhr lässt sich ebenso etwas erreichen wie durch Dimmen oder mit Bewegungsmeldern, die das Licht nur bei Bedarf leuchten lassen.
Für private und gewerbliche „Beleuchter“ lauten die Empfehlungen der Paten der Nacht: Installiert Leuchtkörper mit geringeren Lumenwerten, lasst sie möglichst nur nach unten strahlen, nicht gen Himmel, montiert sie möglichst niedrig über dem Erdboden. „Es gibt regelrechte Lichtsünder, die hartes, kaltes Licht benutzen, aber auch Lichtfreunde. Die schalten um 22 Uhr alle Quellen aus, installieren in ihrem Garten kein unnötiges Zierlicht und lassen nachts die Rollläden herunter, damit es draußen dunkel bleibt.“ In Kempten dreht beispielsweise der „Hagebaumarkt“ das Licht frühzeitig aus.
Besonders am Herzen liegt Piesbergen und den übrigen Paten der Nacht die „Earth Night“ vom 11. auf den 12. September, die sie vor sechs Jahren ins Leben gerufen haben. „Ab Einbruch der Dunkelheit bitte jedes künstliche Außenlicht für die ganze Nacht komplett abschalten oder zumindest reduzieren“, wünscht er sich. „Das wäre ein wichtiges Zeichen gegen die Lichtverschmutzung unserer Nächte.“
Nachtspaziergang am 23. September
Anlässlich der Earth Night 2026 lädt die Stadt Kempten am 23.09. um 20 Uhr in Zusammenarbeit mit den Paten der Nacht zu einem geführten Nachtspaziergang durch den Engelhaldepark ein. Dabei wird auch die neue Biosphärenbeleuchtung vorgestellt. Gemeinsam soll die nächtliche Umgebung einmal ganz bewusst wahrgenommen werden. Die etwa eineinhalbstündige Führung findet nur bei guter Witterung statt, Treffpunkt ist der Parkplatz beim Lohmühltobel am Engelhaldepark. Um Anmeldung unter
klimaschutz@kempten.de bis 15.09. wird gebeten.
Text und Foto: Lutz Bäucker
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