DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Georg Bayerle über sein Buch „Alpen Appell“

 

Auf der Alm, da wird gesündigt

Warum der Schwabe Georg Bayerle den „Alpen Appell“ geschrieben hat

Sein Schlüsselerlebnis hatte Georg Bayerle auf dem Rettenbachferner bei Sölden: „Als ich die riesigen Bagger, die Betonmischmaschinen und Lastwagen gesehen hab, die da oben für den Skiweltcup Ende Oktober die Landschaft völlig verändern, da hab ich gedacht: ich muss was tun!“ 

Der in Günzburg geborene und im Lechtal aufgewachsene Journalist kämpft seit Jahren um den Erhalt der Alpen als wichtigem Naturraum mitten in Europa. „Nicht nur auf dem Gletscher da oben passieren Dinge, die die Berge verändern und diese immer fragiler werdende Ökosphäre gefährden.“ Also hat er eine Streitschrift geschrieben: „Der Alpen Appell – warum die Berge nicht zum Funpark werden dürfen“. Wo die Natur verbaut wird, sagt Bayerle, wird sie zukünftigen Generationen nicht mehr als Wildnis zur Verfügung stehen.

 

Zwang zum Wachstum

Jedes Jahr strömen mehr als 100 Millionen Europäer:innen in die Alpen, auf der Suche nach Spaß und Erholung, um Ski zu fahren, auf die Berge zu steigen und das Naturerlebnis zu finden. Also werden Bahnen (aus-)gebaut, Schneekanonen in Stellung gebracht, Hänge glattgebügelt, Hotels und Spaßanlagen gebaut. „Jede neue Investition zieht den Zwang zu weiterem Wachstum nach sich,“ sagt Bayerle. 

Seit 1999 ist er als Radio- und Filmemacher für den „Bayerischen Rundfunk“ tätig, 2018 hat ihm der Freistaat für seine Verdienste um die Umwelt die „Bayerische Staatsmedaille“ um den Hals gehängt. Seit er als kleiner Junge bei den Großeltern im Lechtal die Berge kennengelernt hat, ist er gewissermaßen ein „Alpen-Aficionado“, einer, der die Berge liebt wie nichts anderes. Mittlerweile hat der 58-Jährige an die 600 Alpengipfel erklommen, die Gehrenspitze in den Tannheimer Bergen allein zehnmal! Auch die Überschreitung des Matterhorns hat er geschafft. Er weiß also wirklich, wovon er spricht. 

 

80.000 Schneekanonen

Die „Gewinnmaximierung“ in ausgebauten Alpenorten wie Mayrhofen, Ischgl, Sölden oder in der Silvretta kritisiert er ebenso wie das Bestehen auf einer „Schneegarantie“ in tieferliegenden Skigebieten: „Aufgrund des Klimawandels ist das nicht zu halten,“ sagt er, „da müssen wir uns endlich ehrlich machen.“ Auch die technische Aufrüstung mit inzwischen rund 80.000 Schneekanonen im Alpengebiet, den dazugehörigen Wasserteichen und Leitungen, kann diese Entwicklung nicht aufhalten. 

Bayerle appelliert in einer Tonlage zwischen nostalgischer Erinnerung und aktuellem Entsetzen an die Alpengäste, die rücksichtlose Ausbeutung der Natur nicht mehr mitzumachen. Mitteleuropa müsse maximal viele der noch intakten Naturräume erhalten. „Natürliche Pufferräume“ seien angesagt, statt sich immer mehr in die Landschaft fressender Betonschutzbauten. „Und es muss doch auch nicht sein, dass Skitouristen und Bergwanderer auf den Hütten Shrimps und sortenreine Weine erwarten, stellt der streitbare Alpenexperte fest: „Erbensuppe und Kräuterlimo tun’s doch auch, oder?“

 

Zweitagestour mit Öffis

Bayerle plädiert für einen achtsamen Alpentourismus, mit einem Miteinander der Bedürfnisse von Natur und Mensch. Um den schädlichen Ausstoß von CO2 bei der individuellen Anreise zu minimieren, sollten Skifahrer und Wanderer öfter mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen: „Allen Vorurteilen zum Trotz, das geht!“ Also beispielsweise mit dem Zug nach Oberstaufen, dann mit dem Ortsbus nach Steibis und hinauf auf den Hochgrat. Nach einer Nacht im legendären Staufner Haus über den Grat der Nagelfluhkette bis nach Immenstadt. Und dort wieder in den Zug – eine alpine Zweitagestour ohne selbst verursachte Emissionen. „Ich will mit meinem Appell neue Wege aufzeigen“, sagt Bayerle. „Noch ist es nicht zu spät.“

Verlosung: Wir verlosen 3 Exemplare des Buchs. Schreibt einfach eine Mail mit dem Stichwort "Alpen Appell" an die Redaktion und schon seid ihr im Lostopf.

Georg Bayerle: Der Alpen Appell, Tyrolia Verlag, 160 Seiten, Preis 20 Euro.

 

Text und Foto: Lutz Bäucker