DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Skitourengehen auf der Piste ist im Trend

 

Auf der Piste nach oben schlappen

Schon mal nach Feierabend oder in aller Herrgottsfrüh die Ski angeschnallt und den Berg hochgestapft? Kein Lift, kein Gedränge – nur du, die Piste und der Blick ins Tal. Genau das ist Skitourengehen auf der Piste, und es boomt! 

„Gerade während Corona haben sich viele Menschen mit wenig Gelände- und Tiefschnee-Erfahrung eine Tourenausrüstung gekauft. Sie bleiben oft lieber auf der sicheren Piste“, erzählt Matthias Keller von der DAV-Sektion Allgäu-Kempten. „Außerdem entdecken immer mehr Ausdauersportler das sportliche Tourengehen für sich, und das kann man am einfachsten auf der Piste trainieren.“

 

Regeln fürs Pistengehen

Der Reiz liegt auf der Hand: Kein Lawinenkurs, keine komplizierte Planung – einfach loslegen. Für Einsteiger ist das ideal, für Sportliche eine super Möglichkeit, Kondition zu tanken. Aber: Ganz ohne Regeln geht’s nicht. Wer aufsteigt, bleibt am Pistenrand und hintereinander, nicht nebeneinander. Und wer abfährt, tut das auf Sicht und mit angepasster Geschwindigkeit. Klingt logisch, oder? Im Ernstfall wird genau das geprüft.

Nicht überall ist der Trend willkommen. In Italien und Teilen Österreichs ist Pistentourengehen verboten oder nur auf ausgewiesenen Routen erlaubt. In Bayern sieht’s entspannter aus: Laut Staatsministerium sind Pisten Teil der freien Natur – Sperren sind nur bei konkreter Gefahr erlaubt, etwa bei Präparierung mit Seilwinden. Seit 2003 setzt sich der DAV für ein Miteinander ein und arbeitet mit Liftbetreibern, Ministerien und Umweltämtern zusammen.

 

Abends geöffnete Hütte als Ziel

Und was heißt das für jede und jeden Einzelnen? Rücksicht nehmen! Pisten sind primär für Skifahrer:innen da. Es ist wichtig, ausgewiesene Aufstiegsrouten zu nutzen, die Sperrzeiten zu beachten und nie bei Präparierung oder Lawinensprengung auf die Piste zu gehen. Außerdem gilt: Querungen vermeiden, Wildtiere nicht stören, Stirnlampe bei Nacht. Apropos Nacht: Viele Gebiete bieten Tourenabende mit geöffneten Hütten – perfekt für den Feierabend-Flow. Infos zu den so genannten „Tourengeher-Abenden“ und den Öffnungszeiten der Hütten bietet die App „PistenTour“. 

 

3 Fragen an…  Porträtfoto

Andrea Hiemer ist Skitouren-Führerin beim DAV in Kempten und hat jede Menge Erfahrung – auf Pisten und vor allem abseits davon.

  1. Machst du regelmäßig Pistentouren, und wenn ja: wo?
    Pistentouren mache ich so gut wie keine, da ich viel lieber im Gelände unterwegs bin, abseits der Massen und auch dort an die Verhältnisse angepasste Touren wählen kann. Außerdem finde ich es neben einer ständig befahrenen Piste unangenehm und manchmal kommt es für Skifahrer und Tourengeher zu Schreckmomenten – gerade an unübersichtlichen Stellen.

     
  2. Was ist deine Lieblings-Skitour im Allgäu?
    Meine Lieblingsecke ist das Wildental im Kleinwalsertal, das ich zum Großraum Allgäu zähle. Ich mag die Szenerie mit dem nicht allzu langen Talmarsch, die wilden Zacken vor mir – auch wenn es dort oftmals recht kalt am Morgen ist.  Gerne gehe ich auf den Winterelfer, bei dem man gerade am Gipfelhang mit jedem weiteren Schritt eine noch bessere Aussicht erhält. Am Vormittag ist hier die Schneequalität oft noch sehr gut für die Abfahrt. Anschließend geht’s in das Ochsenloch, von dem man aus eine zügige Abfahrtsvariante zurück ins Tal wählen kann.

     
  3. Welche Touren bietest du dieses Jahr für den DAV an? 
    Ich biete heuer drei Touren jeweils am Donnerstag an. Eine Umfrage im DAV hat gezeigt, dass die Teilnehmer:innen gerne in der Umgebung auf Tour gehen. Deshalb werde ich Touren im Kleinwalsertal und Lechtal anbieten, passend zu Wetter und Verhältnissen. Eine meiner Spezialitäten sind Frauentouren. Die Idee stammte von Teilnehmerinnen, und ich biete das nun jedes Jahr an. Hier haben wir immer eine sehr gelöste Stimmung, lachen und ratschen viel. Die meisten Teilnehmerinnen fühlen sich in Frauengruppen nicht so gehetzt – und wir kommen trotzdem auf den Gipfel! 

 

Text: Anke Roser, Fotos: privat