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Ein Moor-Fichtlein zu Weihnachten

Ein natürlicher Weihnachtsbaum ist nach wie vor gefragt: In etwa einem Drittel der deutschen Haushalte sorgte er 2024 für weihnachtliche Stimmung (Quelle: www.natuerlicher-weihnachtsbaum.com). Denn nicht nur der Anblick eines festlich geschmückten Baumes oder dekorierter Zweige trägt zur besonderen Atmosphäre in der dunklen Jahreszeit bei. Auch der aromatische Duft von Harz, Holz und Nadeln sowie die natürliche Ausstrahlung wirken sich positiv auf unser Wohlbefinden aus. Gut, dass es seit 14 Jahren die Weihnachtsbaum-Aktion des BUND Naturschutz Kempten-Oberallgäu gibt. Gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten bietet sie die Möglichkeit, Weihnachtsfreude und Naturschutz miteinander zu verbinden.

 

Am Samstagvormittag, dem 12. Dezember 2026, stehen von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr wieder zahlreiche Helfer bereit, um ausgewählte Bereiche des Werdensteiner Mooses von aufkommenden Fichten zu befreien. Interessierte können sich gegen eine Spende in einem ausgewiesenen Bereich ihr eigenes, nachhaltiges „Moor Fichtlein“ schlagen. Der Erlös kommt dem Moorschutz zugute. Da ein längerer Fußmarsch ins Moor erforderlich ist, empfiehlt es sich, festes Schuhwerk oder Gummistiefel zu tragen. Werkzeuge wie Säge oder Axt müssen selbst mitgebracht werden. Für den Rücktransport des Weihnachtsbaums ist ein Leiterwagen oder – je nach Schneelage – ein Schlitten hilfreich. 

Wir haben mit Jann Oetting, Leiter des Forstbetriebes Sonthofen von den Bayerischen Staatsforsten, und Julia Wehnert vom BUND Naturschutz Kempten-Oberallgäu über die Hinter gründe und Besonderheiten der Aktion gesprochen. 

 

  • Seit wann gibt es die Weihnachtsbaum-Aktion im Werdensteiner Moos? 

Mit großem Erfolg haben wir die Aktion 2012 ins Leben gerufen und seitdem jedes Jahr durchgeführt. Mit einer so großen Resonanz hatten wir damals nicht gerechnet. Vor allem Familien besuchen uns seither – von den Großeltern bis zu den Enkeln. Sie suchen sich ihren persönlichen Baum selbst aus und erfahren dabei Wissens wertes über den Moorschutz. Oft nehmen sich auch die Kinder ein eigenes kleines Bäumchen mit. 

 

  • Welchen Nutzen hat die Aktion? 

Sie leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt in Mooren, denn aufkommende Fichten können in entwässerten Mooren die natürlichen Lebensbedingungen verändern. Indem wir sie in ausgewählten Pflegebereichen entfernen, unterstützen wir den Moorschutz und schaffen bessere Bedingungen für lichtliebende, moortypische Pflanzen- und Tierarten. Ein weiterer Pluspunkt ist die Nachhaltigkeit: Die Fichten stammen aus der Region und die Transportwege sind kurz. 

 

  • Was ist das Besondere an der Fichte und warum ist sie ein „guter“ Weihnachtsbaum? 

Die Fichte ist im Allgäu nahezu allgegenwärtig und ein wahrer Überlebenskünstler. Sie wächst auch auf nährstoffarmen Böden und ist dank ihrer natürlichen Frostschutzmechanismen sehr widerstandsfähig gegenüber niedrigen Temperaturen. Sie ist damit auch ein wichtiger Bestandteil von natürlichen Moorrandwäldern. In entwässerten Mooren kann sie allerdings zum Problem werden: Wo sie sich stark ausbreitet, kann sie das empfindliche ökologische Gleichgewicht aus Moorwäldern und offenen Moorflächen stören. Als Weihnachtsbaum macht die Fichte ebenfalls eine gute Figur. In einem mit Wasser gefüllten Baumständer bleibt sie mehrere Wochen frisch. Allerdings verliert sie in der Regel früher ihre Nadeln als beispielsweise eine Blaufichte oder eine Nordmanntanne. 

Aus ökologischer Sicht punktet die heimische Moor-Fichte: Sie wächst direkt vor Ort, muss nicht über weite Strecken transportiert werden und verbindet weihnachtliche Stimmung mit aktivem Moorschutz. 

 

www.kempten.bund-naturschutz.de

 

| Text: Heike Stix, Foto: BN-Archiv |