Vor unglaublichen 23 Jahren haben sie ihn in die Welt gesetzt, ihren kauzigen Kemptener Kommissar Kluftinger, der auf Kässpatzn und Kuhfell-Clogs steht. In zwischen haben die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr vierzehn Werke über das Leben und Wirken ihres Protagonisten verfasst. Der jüngste Band „Blendwerk“ schickt sich gerade an, wie seine Vorgänger die Bestsellerlisten zu stürmen. Sogar in Dubai hat man schon mannshohe Verkaufspyramiden mit den dicken Büchern aus dem Allgäu gesichtet.
„Wir haben nie gedacht, dass der Kluftinger mal so ‘ne große Nummer werden könnte“, wundert sich Volker Klüpfel noch heute. „Nein, niemals“, beteuert Michael Kobr, „und es ist einfach toll, dass die Leute immer noch total verrückt nach ihm sind. Inzwischen hat der Klufti unser Einkommen gesichert und tut alles für unsere Rente!“ Die Tatsache, dass der Kemptener Kommissar bereits vor zwei Jahrzehnten stramm aufs Pensionsalter zumarschiert ist und heute trotzdem immer noch arbeitet, macht den Autoren kein Kopfzerbrechen: „Der altert unheimlich langsam“, sagt Kobr, „und die vorgezogene Rente mit 63 ist überhaupt kein Thema für ihn. Kommt nicht in Frage, niemals!“
Lehrer Kobr und Journalist Klüpfel sind happy über ihr glückliches Händchen mit dem Kauz aus Altusried und haben keine Sorge, dass ihnen irgendwann die Ideen für die Fortsetzung ihrer Erfolgsserie ausgehen könnten. Eine riesige Datei mit Ideen hilft ihnen regelmäßig aus der Patsche, dazu kommen fast täglich neue Beobachtungen, mit denen sie den „Columbo aus Altusried“ interessant machen können. „Wir halten immer und überall unsere Augen und Ohren offen, beim Cappuccino am Residenzplatz in Kempten genauso wie beim Ratschen im Stift – wir befinden uns immer im Recherche-Modus. Diese Geschenke aus der Realität darf man nicht ablehnen“, sagt Klüpfel. „Sowas nennt man wohl eine déformation professionelle – aber damit können wir gut leben!“
Instagram und Lokalpolitik
Manchmal ist es mühsam, manchmal flutscht es nur so. Zwischen diesen Polen bewegt sich das Schreiben, berichten die Bestsellerautoren aus Kempten und Durach, vieles ist Handwerk. „Wir besitzen nach so vielen Jahren eine gewisse Fertigkeit, die wir auch dringend brauchen, denn mit Inspiration alleine geht es nicht“, sagt Kobr. Das Duo möchte mit seinen Krimis über das Leben im Allgäu erzählen, die Lebensrealität abbilden und auch aktuelle Themen aufgreifen, welche die Menschen hier umtreiben. So auch das Thema im aktuellen „Blendwerk“: Da geht es um die Welt rund um Instagram, Influencer, Hashtags und fragwürdigen Content, etwa exklusive Fotos, für die man sich in Lebensgefahr bringt, wild parkt und Wiesen kaputt tritt. Im Kluftinger Nummer 14 finden aber auch die Niederungen und Höhepunkte der Kommunalpolitik inklusive Gebaren der AfD ihren Platz: „Der Klufti sitzt ja jetzt im Gemeinderat von Altusried, und das ist nicht so einfach, wie er sich das ursprünglich ausgemalt hatte“, berichtet Klüpfel. Diese Konstellation nutzen die beiden Autoren, um die Einstellung ihres Lieblingskommissars zur Welt, zur Gesellschaft und zur Politik klarzumachen: „Der Klufti galt vielen Lesern als typischer Konservativer, aber das ist er gar nicht! Er ist durchaus aufgeschlossen und offener als viele seiner Mitmenschen.“
Noch zwei Jahre bis zum Klufti-Jubiläum
„Kluftinger ist natürlich ein Repräsentant des Allgäus, dagegen möchten und können wir uns gar nicht mehr wehren“, erklärt Klüpfel, „aber wir müssen aufpassen, dass diese Rolle beim Schreiben nicht immer in unseren Köpfen sitzt, das würde uns zu sehr ein schränken.“ Die Figur ist ein Glücksfall für die beiden: „Die können wir weiterentwickeln, solange wir geistig rege und körperlich fit sind, da redet uns niemand rein. Das ist eine gute Perspektive für uns, wir fühlen uns privilegiert, so schreiben zu dürfen“, so Kobr. In zwei Jaren dürfte es den 15. Kluftinger geben, dann ist es 25 Jahre her, dass Klüpfel und Kobr ihren Kauz-Kommissar in eine Kemptener Amtsstube gesetzt haben: „So ein Jubiläum lassen wir uns nicht entgehen, das ist etwas ganz Besonderes.“
| Text: Lutz Bäucker, Fotos: Lutz Bäucker und Ullstein-Verlag |
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