Ausstellung ist vom 10. Juli bis 11. Oktober in der bigBOX zu sehen
Als wir im engsten Kreis des 0831-Teams ein Brainstorming über die aktuelle Titelseite gemacht haben, waren die Reaktionen mehr als spannend: Geht gar nicht! Da erschrecken sich sensible Menschen zu Tode! Keiner wird das Heft mitnehmen wollen! Das gibt einen Shitstorm! … Das meinten die einen. Die andere Fraktion hörte sich so an: Das ist ein perfekter Hingucker! So sehen Menschen nun mal aus! Die Kombi von Musik, Frühling und Plastiniertem ist irre gut, das hat sonst keiner! Das ist ein Gesamtkunstwerk und wird den Leuten gefallen!
Welcher Meinung ihr euch auch immer anschließen wollt – klar ist: Die Körperwelten polarisieren. Und faszinieren. Und kommen bald nach Kempten. Dann kann sich jede und jeder ein eigenes Bild davon machen, wie eindrucksvoll, inspirierend, verblüffend, vielleicht aber auch abstoßend und irritierend diese große Ausstellung auf unterschiedliche Menschen wirken kann. Das ist hoch individuell und darf es auch sein. Man muss die Plastinate nicht mögen. Man darf sie aber auch total toll finden!
Die Version der Körperwelten, die ab dem 10. Juli in Kempten im Foyer und großen Saal der bigBOX zu sehen sein wird, nennt sich „Zyklus des Lebens“. Im Fokus der Ausstellung steht der menschliche Körper im Kreislauf von Entstehen und Vergehen. Der kontinuierliche Veränderungsprozess des Körpers wird anhand einer Vielzahl echter menschlicher Exponate anschaulich dargestellt. Die einzelnen Stationen – von der Zeugung bis ins hohe Alter – laden dazu ein, sich intensiv mit dem eigenen Körper und Lebensstil zu beschäftigen.
Körper als Spiegel der Lebensführung
„Mit dieser Ausstellung möchte ich verdeutlichen, dass unser Körper der Spiegel unserer eigenen Lebensführung ist. Denn alles, was wir tun oder auch nicht tun – ob wir körperlich aktiv sind, wie wir uns ernähren, ob wir ein gesundes familiäres oder soziales Umfeld haben – wirkt auf ihn zurück, im Positiven wie im Negativen. Das hat auch wesentliche Auswirkungen darauf, wie sich unser Alterungsprozess gestaltet. Wir altern im Grunde beständig, sobald wir auf die Welt kommen. Wie sich dieser Entwicklungsprozess vollzieht, ist ganz wesentlich davon abhängig, wie wir mit unserem Körper umgehen. Dafür möchte ich die Menschen sensibilisieren", sagt Dr. Angelina Whalley, Ärztin und Kuratorin der Ausstellung.
Vorrangiges Ziel der Körperwelten-Macher ist die gesundheitliche Aufklärung und Prävention. Die faszinierenden anatomischen Präparate, darunter viele Ganzkörper-Plastinate erläutern leicht verständlich einzelne Organfunktionen sowie häufige Erkrankungen. Es wird erklärt, was jeder einzelne tun kann, um seine Gesundheit und eine hohe Lebensqualität möglichst lange zu bewahren. Der Besuch der Körperwelten ist interessant für alle, die in den Bereichen Vorsorge und Gesundheit tätig sind. Und natürlich mindestens genauso spannend und erkenntnisreich für alle, die einfach neugierig sind und sich selbst „von innen“ besser kennenlernen möchten.
Plastinate aus Körperspende-Programm
Die Ausstellung „Körperwelten“ von Dr. Gunther von Hagens und Dr. Angelina Whalley hat das Zeug dazu, den Blick auf uns selbst und unsere Lebensweise nachhaltig zu verändern. Mehr als 58 Millionen Menschen rund um den Globus haben sich bereits auf diese Selbstentdeckungsreise durch den menschlichen Körper begeben. Dass dies auf so eindrückliche Weise möglich ist, ist der Plastination zu verdanken, die Dr. Gunther von Hagens im Jahre 1977 erfand und mit der die Anatomie auch Menschen außerhalb einer klinischen und universitären Umgebung zugänglich gemacht wurde. Die in der Ausstellung gezeigten Plastinate stammen aus dem Körperspende-Programm des Instituts für Plastination in Heidelberg, in dem mittlerweile mehr als 22.000 Personen registriert sind.
Körperwelten in der bigBOX:
Öffnungszeiten: von 10. Juli bis 11. Oktober 2026
Mo–Fr: 9–18 Uhr, Sa, So & Feiertage: 10–18 Uhr (letzter Einlass jeweils um 17 Uhr)
Tickets: Online unter www.koerperwelten.de, an allen bekannten Vorverkaufsstellen und ab Ausstellungsstart auch an der Tageskasse
Schulklassen: E-Mail an schule@koerperwelten.de
Gruppen: E-Mail an kempten@koerperwelten.de
Weitere Infos: www.koerperwelten.de, www.bigboxallgaeu.de
Faktencheck für Wissensdurstige:
- Die Plastination wurde 1977 von Dr. Gunther von Hagens an der Universität Heidelberg erfunden und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.
- Die Plastination ermöglicht es, den Verfall des toten Körpers zu stoppen und feste, geruchlose und dauerhaft haltbare anatomische Präparate für die wissenschaftliche und medizinische Ausbildung herzustellen.
- Die Herstellung eines menschlichen Ganzkörper-Plastinats benötigt ca. 1.500 Arbeitsstunden.
- Das weltgrößte Plastinat ist ein ausgewachsener Elefant mit einer Größe von 6,00 x 3,50 Metern.
- Die Ausstellungen basieren auf einem etablierten Körperspende-Programm mit über 22.000 Spendern, die explizit darüber verfügen, dass ihr Körper nach dem Tod in den Körperwelten gezeigt werden darf.
- Die Medizinerin Dr. Angelina Whalley ist die Kuratorin und seit den Anfängen verantwortlich für Konzeption und Gestaltung der Ausstellungen, deren erste 1995 in Japan stattfand.
- Die „Körperwelten“ waren seitdem weltweit in 42 Ländern und über 170 Städten in Europa, Amerika, Asien, Ozeanien und Südafrika ausgestellt und wurden von mehr als 58 Millionen Menschen gesehen, 14 Millionen davon in Deutschland.
- Derzeit sind rund zehn Körperwelten-Ausstellungen in Europa und Amerika zu sehen, darunter dauerhafte Ausstellungen in Berlin und Heidelberg.
Athletische Posen dienen der Darstellung des Muskelsystems beim Sport
(© Gunther von Hagens‘ KÖRPERWELTEN, Institut für Plastination, Heidelberg, www.koerperwelten.de, David Trood)
Antworten auf Fragen, die man sich im Vorfeld eines Körperwelten-Besuchs stellen könnte:
Wie lange kann man in der Ausstellung bleiben?
Für einen Besuch ohne lange Wartezeit gibt es in Kempten Zeitfenstertickets, die den Zugang innerhalb des gebuchten Zeitfensters ermöglichen. Die Aufenthaltsdauer in der Ausstellung ist innerhalb der Öffnungszeiten unbegrenzt. Es empfiehlt sich, etwa zwei Stunden für den Besuch einzuplanen. Die Dauer hängt davon ab, wie lange die Präparate betrachtet und ob alle verfügbaren Informationen gelesen werden. Durch eine Audioführung verlängert sich erfahrungsgemäß die in der Ausstellung verbrachte Zeit.
Ist die Ausstellung für Kinder geeignet?
Es gibt keine Altersbeschränkung für den Ausstellungsbesuch für Kinder und Jugendliche in Begleitung von Erziehungsberechtigten oder erziehungsbeauftragten Personen. Eltern und Lehrer sollten selbst entscheiden, ob die ihrer Obhut unterstellten Kinder und Jugendlichen ausreichend vorbereitet sind, um die Körperwelten zu besuchen. Eine gemeinsame Vor- und Nachbereitung wird dringend empfohlen.
Welche Materialien gibt es für Lehrkräfte und Eltern?
Informationsmaterial zur Vor- und Nachbereitung des Schulklassenbesuchs steht Lehrerinnen und Lehrern zum Download auf der Körperwelten-Webseite unter Wissenswertes/Lehrer & Eltern zur Verfügung. Auch Eltern können das Material zur Vorbereitung Ihres Familienbesuchs nutzen. Darüber hinaus haben Lehrkräfte die Möglichkeit, die Ausstellung vorab kostenlos zu besichtigen, um sich vor dem Besuch mit ihren Schulklassen selbst ein Bild zu machen.
Warum werden die Plastinate in aktiven und lebensnahen Posen gezeigt?
Die Posen der Plastinate sind sorgfältig konzipiert und überdacht worden und verfolgen didaktische Zwecke. Jede dargestellte Pose demonstriert unterschiedliche anatomische Merkmale und Ausprägungen. So dienen die athletischen Posen beispielsweise der Darstellung des Muskelsystems beim Sport. Die Posen ermöglichen es den Besuchern, das Plastinat besser in Bezug zum eigenen Körper zu bringen.
Was ist Plastination?
Die Plastination wurde 1977 von Dr. Gunther von Hagens, während seiner Tätigkeit an der Universität Heidelberg erfunden und seitdem kontinuierlich perfektioniert. Das Plastinationsverfahren ist eine Konservierungsmethode, die es ermöglicht, den Verfall des toten Körpers zu stoppen und langfristig haltbare anatomische Präparate für die wissenschaftliche und medizinische Ausbildung herzustellen. Im Plastinationsprozess werden einem Präparat sämtliche Körperflüssigkeiten und löslichen Fette entzogen. Im nächsten Schritt erfolgt die vakuum-forcierte Imprägnierung, bei der die Körperflüssigkeiten durch reaktive Harze und Elastomere ersetzt werden. Anschließend erfolgt die Aushärtung mit Licht, Wärme oder bestimmten Gasen. So entstehen feste, geruchlose und dauerhaft haltbare Präparate.
Die Ausstellung ist eine Selbstentdeckungsreise durch den menschlichen Körper
(© Gunther von Hagens‘ KÖRPERWELTEN, Institut für Plastination, Heidelberg, www.koerperwelten.de)