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Carolin Heberle ist Deutsche Meisterin im Paraklettern


Bei der offenen Deutschen Meisterschaft im Paraclimbing traten am vergangenen Samstag im Kemptner swoboda alpin Deutschlands beste Kletter:innen mit körperlichem Handicap an und ermittelten in insgesamt 11 Klassen ihre Meisterinnen und Meister. Das Feld wurde zudem ergänzt durch zahlreiche internationale Gäste. Die Kemptnerin Carolin Heberle holte in der Klasse AU2 vor Heimpublikum ihren ersten deutschen Meistertitel, eine weitere Bronzemedaille gewann Ronja Bauer in der Klasse RP3. 

Nachdem große Wettkämpfe an der Außenwand des swoboda alpins in der Vergangenheit fast immer von Dauerregen und eisigen Temperaturen begleitet waren, hatten die Paraclimber:innen bei der Deutschen Meisterschaft am vergangenen Samstag den Wettergott auf ihrer Seite: Bei bestem Wettkampfwetter durften knapp 70 Athlet:innen aus Deutschland und vier weiteren Nationen die Tagessieger:innen und nationalen Meister:innen in insgesamt 11 Klassen ermitteln. Die DM war nach der Premiere im vergangenen Jahr in Augsburg erst die zweite offizielle Deutsche Meisterschaft im Paraclimbing und nach der DM Bouldern 1996 die zweite Deutsche Meisterschaft im Klettern in Kempten. Damals wie heute war die DAV-Sektion Allgäu Kempten lokaler Ausrichter des Wettkampfs, Veranstalter war der DAV-Bundesverband. Zusätzlich war in diesem Jahr auch noch die Stadt Kempten als maßgebliche Unterstützerin des Wettkampfs beteiligt. 

Bei der DM ging es aber nicht nur um Meisterehren: Der Wettkampf, der auch internationalen Starter:innen, die allerdings nicht ins Rennen um die Deutsche Meisterschaft eingreifen durften, offenstand, diente den Nationalkaderathletinnen und -athleten auch noch einmal als letzte Standortbestimmung vor dem ersten Para-Weltcup der Saison Mitte Mai in Salt Lake City (USA). Und hier können die deutschen Athlet*innen mit einem guten Gefühl anreisen, denn die Form stimmt: In den Klassen mit internationaler Beteiligung gingen die Siege mit nur zwei Ausnahmen an die Athlet:innen des Deutschen Alpenvereins. 

Sehr erfreulich aus Kemptner Sicht: Lokalmatadorin Carolin Heberle konnte sich in ihrer Klasse AU2 (Forarm Aputee) vor Heimpublikum ihren ersten Deutschen Meistertitel sichern, nachdem sie sich im vergangenen Jahr in Augsburg noch ihrer Teamkollegin Corinna Wimmer (DAV München-Oberland) geschlagen geben musste. Dieses Mal hatte jedoch Wimmer das Nachsehen und wurde Zweite. Neben Heberle war mit Ronja Bauer auch noch eine weitere Kemptner Teilnehmerin am Start: Die erst 15-jährige Athletin kletterte in ihrer Klasse RP3 (Reduced Range of Power & Motion) ebenfalls souverän ins Finale und belegte dort in der DM-Wertung einen starken 3. Platz. 

Fotos: Xaver Quintus, Anker Roser

Besonders beeindruckend war es zu sehen, zu welchen sportlichen Leistungen man auch mit einem Handicap in der Lage ist. Dies betonten sowohl Klaus-Peter Wildburger, Vorsitzender der Sektion Allgäu-Kempten, als auch Stadträtin Hilde John, die als Sportbeauftragte und Vertreterin der Stadt Kempten vor Ort war, in ihren Grußworten zu Beginn des Finales. Während John auch den enormen persönlichen Einsatz der Sportler:innen für Training und Wettkämpfe hervorhob, wies Wildburger auf den rasanten Aufschwung des Paraclimbings hin, nachdem 2024 die Entscheidung gefallen war, dass Paraclimbing 2028 bei den Spielen in Los Angeles erstmals paralympisch sein wird. 

Und nicht nur die gezeigten sportlichen Leistungen waren eindrucksvoll: Die gut 300 Zuschauer:innen erlebten hautnah den ganz besonderen Spirit, der die Paraclimbing-Szene auszeichnet: Man feuert sich über Ländergrenzen hinweg gegenseitig an, hilft und unterstützt sich, wo es geht und die Sportler*innen sehen sich als eine große Familie. So trafen sich viele der Athlet*innen am folgenden Tag noch einmal zu einem gemeinsamen Trainingslager an den Wettkampfrouten. 

Hier gibt's ein Interview mit Carolin Heberle: 
Ich mache etwas Beklopptes und trainiere für die Paralympics