Der aktuelle Irankrieg macht es uns wieder deutlich: Unsere Energieversorgung – ja, unser gesamter Lebensstil – beruht auf dem Einsatz fossiler Energien, ist nicht nachhaltig und macht uns vor allen Dingen sehr anfällig für Erpressungen, sei es durch den Iran, Russland oder auch die USA. Ja, mehr noch: Dadurch finanzieren wir auch Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Mit erneuerbaren Energien hingegen generieren wir Wertschöpfung vor Ort und verbessern unsere Sicherheit.
Die Zielsetzung sollte damit klar sein – und sie spiegelt sich auch in den politischen Beschlüssen der Stadt Kempten und diverser Allgäuer Landkreise wider. So hat die Stadt Kempten beispielsweise mit ihrem Klimaplan 2035 beschlossen, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden. Auch wenn dieses Ziel angesichts des aktuellen Standes nur sehr schwer erreichbar erscheint, so zeigt der Klimaplan doch recht deutlich auf, wo wir heute stehen, und wie unsere Energieversorgung in Zukunft ausschauen kann.
Heute basiert die Energieversorgung in Kempten überwiegend auf fossilen Energiequellen. Auf der Stromseite haben wir zwar bereits gute Fortschritte machen können und in Zukunft soll sich die Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien stützen. Strom macht allerdings heute nur einen Anteil von rund 20 bis 25 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Der größere Teil sind Erdgas und Heizöl für Wärmeversorgung und Industrie sowie Treibstoffe für die Mobilität. Diese sollen schrittweise durch Stromanwendungen ersetzt und somit auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Der Stromverbrauch wird damit deutlich steigen, von heute rund 380.000 Megawattstunden pro Jahr auf rund 630.000 Megawattstunden pro Jahr. Dieser Trend zu strombasierten Systemen ist auch der größte Wandel, der bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen wird. In Zukunft werden wir auf Elektromobilität umsteigen und die meisten Häuser werden durch Wärmepumpe, einen Anschluss an ein Wärmenetz oder eine Holzheizung versorgt werden, immer mehr Häuser werden eine Solarstromanlage auf dem Dach haben.
Photovoltaik auf Dächern soll sich verdreifachen
Doch woher kommt der Strom? Aktuell bezieht die Stadt Kempten pro Jahr rund 220.000 Megawattstunden von außerhalb, dies soll in Zukunft auf 75.000 Megawattstunden pro Jahr reduziert werden. Heute erzeugen in Kempten Solarstromanlagen (Fachbe griff Photovoltaik, abgekürzt PV) auf Dächern in Summe 51.000 Megawattstunden pro Jahr, in Zukunft sollen es 150.000 Mega wattstunden pro Jahr werden. Solarstrom-Freiflächenanlagen in Kempten bringen derzeit 5.000 Megawattstunden pro Jahr – in der Zukunft soll dies eine wesentliche Säule der Stromerzeugung sein mit rund 300.000 Megawattstunden pro Jahr. Wasser kraft und das Müllheizkraftwerk liefern auch mit je rund 50.000 Megawattstunden wichtige Anteile, die in Zukunft in der gleichen Größenordnung bleiben sollen. Windenergie spielt im Stadtgebiet, weil es hier keine Standorte für Anlagen gibt, keine Rolle – für das Allgäu ist diese Technologie aber umso wichtiger, weil sie zusam men mit der Freiflächen-Photovoltaik aktuell die günstigste Form der Stromerzeugung ist und häufig dann der Strom von Wind energieanlagen kommt, wenn keine Sonne scheint.
Als Fazit kann man festhalten, dass bereits heute ein klares Bild existiert, wie die Energiewende in Kempten und im Allgäu umge setzt werden kann. Wir sind bereits auf dem Weg, müssen aber in einigen Bereichen unsere Anstrengungen noch etwas verstärken, um von den Chancen, einer wirtschaftlichen, klimafreundlichen, nachhaltigen und unabhängigen Energieversorgung zu profitieren.
Weitere Infos: www.eza-allgäu.de
Ein Gastbeitrag von Martin Sambale, Geschäftsführer des eza! Energie- und Umweltzentrum Allgäu
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