Zwei Nächte habe sie gebraucht für ihre Entscheidung, sagt Philine Blees. „Zwei Nächte lang habe ich nicht geschlafen, doch dann war die Sache klar!“ Nämlich, dass sie für das Amt der Bürgermeisterin von Obermaiselstein kandidiert, das sie am 08. März eindrucksvoll erobert hat.
Die Entscheidung zu kandidieren fiel vor gut einem Jahr – man hatte sie angerufen und gefragt, ob sie sich das vorstellen könne: Mit da mals 26 Jahren ins Rennen zu gehen gegen neun weitere Mitbewer ber. „Ich konnte es mir tatsächlich vorstellen,“ lacht Philine Blees. Sie lacht viel und gern, vor allem seit dem Tag der bayerischen Kom munalwahl. An diesem Tag wurde sie mit 89 Prozent der Stimmen (bei 68 Prozent Wahlbeteiligung) zur neuen Bürgermeisterin des bekannten Oberallgäuer Urlaubsortes Obermaiselstein gewählt.
Anteckender Optimismus
„Der Wahnsinn!“, entfährt es der jungen Frau noch heute. Mit 27 Jahren ist sie die jüngste Bürgermeisterin Bayerns. Und darf nun ab Mai das 1.000-Einwohner-Dorf zu Füßen der Hörnerkette regieren. „Lieber gestalten“, korrigiert Blees und meint: „Bürgermeisterin zu sein, das ist einer der vielfältigsten und spannendsten Jobs überhaupt – was man da alles machen kann!“ Ihr Optimismus ist ansteckend, ihre Art reißt mit. Zwölf Gemeinderäte stehen ihr jetzt zur Seite (hofft sie), der Haushalt des Tourismusortes beträgt sieben Millionen Euro, pro Jahr werden rund eine Viertelmillion Übernachtungen in Obermaiselstein gezählt. „Ich möchte den naturnahen Tourismus stabilisieren, wir leben davon“, sagt Philine Blees, die auch stellvertretende Vorsitzende des Allgäuer Bergbauernmuseums in Diepolz ist. Mit politischer Ar beit hat sie schon früh begonnen. Die gebürtige Immenstädterin ist in der Jungen Union aktiv, sechs Jahre lang hat sie als Wirtschafts referentin im Stadtrat ihre Heimatstadt mitgestaltet. Dabei kamen ihr das BWL-Studium in München und die Erfahrungen im elter lichen Einzelhandelsgeschäft zugute. In den vergangenen Wochen hat sich Blees in speziellen Vorbereitungskursen des Bayerischen Gemeindetags mit ihrer Aufgabe vertraut gemacht. Neugewählten Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern wird dort die Möglichkeit geboten, sich zu Beginn der Amtsperiode in jeweils dreitägigen Seminaren über grundlegende rechtliche, organisatorische und personelle Fragen zu informieren.
Tour durch die Gemeinde
Behandelt werden u.a. Themen wie Zeitmanagement und Öffent lichkeitsarbeit, im Schwerpunkt aber Rechtsfragen zur Gemeinde ratssitzung, zum Personalrecht, zum Baurecht und zu den Kommu nalfinanzen. Außerdem besteht die Möglichkeit zur Vernetzung mit anderen neugewählten Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und zur Diskussion mit einer in der Amtsführung erfahrenen Person. Blees nutzt die Zeit bis zur Amtseinführung Anfang Mai zur Tour durch die Gemeinde: „Ich stelle mich möglichst überall vor, rede mit den Leuten und nehme schon mal alles auf, was sie bewegt.“ Das schreibt sie dann fein säuberlich in ihr dickes Notizbuch: „Ich bin sehr ordentlich und genau!“ Bald zieht sie um, vom heimatlichen Knottenried nach Obermaiselstein. Falls noch etwas Freizeit bleibt („wird eng“, sagt sie), geht sie vielleicht mal zum Segeln auf dem Alpsee. „Und dann geht’s los!“ – sechs Jahre lang, als jüngste Bür germeisterin Bayerns.
Text und Foto: Lutz Bäucker
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