Das Allgäu ist ein Eldorado für Naturliebhaber. Nicht nur, was Freizeitaktivitäten betrifft. Die Natur schützen und gleichzeitig sinnvoll nutzen, was sie uns bietet – damit sind Unternehmen wie Primavera, Rapunzel oder die Bahnhof-Apotheke groß geworden. Ebenfalls in diese Riege gehört die Dr. Hauck R&D GmbH mit Sitz in Kempten. Das Forschungsinstitut erforscht, entwickelt und produziert Naturkosmetika und Naturarznei. Im Interview haben wir mit Institutsleiter Dr. David Hauck darüber gesprochen, wie Naturstoffe die Haut schützen, was man beim Gang in die Sonne beachten sollte – und welche Ziele seine neue Kooperation mit der Bahnhof-Apotheke verfolgt.
Herr Dr. Hauck, erzählen Sie uns bitte das Wichtigste über sich und Ihr Institut.
Ich bin noch keine 40 Jahre in dem Geschäft, wie die anderen genannten Unter nehmen, aber ebenfalls ein Bio-Pionier, und zwar im Bereich der Premium-Naturkosmetik. Lange Zeit galt Naturkosmetik als ethisch sinnvoll, aber wenig wirksam – wir konnten das Gegenteil beweisen. Meine Ausbildung ist medizinisch wissenschaftlich geprägt, mit Schwerpunkten in Arzneimittelchemie und experimenteller Dermatologie. Nach Stationen in der pharmazeutischen Forschung haben meine Frau und ich vor elf Jahren hier im Allgäu unser eigenes Forschungsinstitut gegründet, das sich ausschließlich mit Naturstoffen beschäftigt – für Arznei, Kosmetik und Nahrungsmittel. In diesem Bereich sind wir weltweit mit an der Spitze.
Mit welchen Naturstoffen arbeiten Sie vorwiegend? Und wie kooperieren Sie dabei mit der Bahnhof-Apotheke?
Ein ganz wichtiger Stoff für uns ist Betulin aus der Birkenrinde. Die Birke ist ein Pionierbaum, der extremen Wetter- und Sonnenbedingungen standhält. Das weiße Betulin wirkt dabei wie ein natürlicher Schutzmantel – und genau diese Eigenschaft machen wir uns für die Haut zunutze. Gemeinsam mit der Bahn hof-Apotheke verfolgen wir aktuell zwei Projekte: Zum einen eine dermatologische Pflegelinie für sensible Haut, etwa bei Neurodermitis oder Allergien. Zum anderen ein begleitendes Pflegekonzept für Menschen in der Krebsbehandlung. Dieses Projekt liegt uns besonders am Herzen.
Wie lange hat diese Entwicklung gedauert und woher stammen die Rohstoffe?
Wir haben rund fünf Jahre intensive Forschungsarbeit in das Thema gesteckt. Die Birkenrinde beziehen wir aus Skandinavien, wo Birken nachhaltig für die Möbelindustrie angebaut werden. Die Rinde fällt dort als Nebenprodukt an, wird sonst kaum genutzt und enthält bis zu 20 % des benötigten Extrakts. So entsteht durch echtes Upcycling ein hochwertiger Wirkstoff für die Naturkosmetik.
Der Sommer steht vor der Tür – gibt es einen Naturstoff, der die Haut beim Aufenthalt in der Sonne unterstützen kann?
Auf jeden Fall, und zwar Astaxanthin. Während Betulin regenerativ wirkt, ist Astaxanthin präventiv. Es handelt sich um ein starkes Antioxidans aus einer Süßwasseralge, das freie Radikale neutralisiert, entzündungshemmend wirkt und vor lichtbedingten Zellschäden schützt. Besonders ist, dass Astaxanthin innerlich wie äußerlich angewendet werden kann und sich in der Haut anreichert. Bei frühzeitiger Einnahme lässt sich ein Schutzdepot aufbauen – etwa für Menschen mit hoher Sonnenempfindlichkeit oder mit Sonnenallergie.
Ersetzt dieser Ansatz den klassischen Sonnenschutz?
Nein, Astaxanthin ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Klassische Sonnenschutzprodukte schützen hauptsächlich vor UVB-Strahlen, die nur etwa 10 Prozent der Sonnenstrahlung ausmachen. Gegen die übrigen 90 Prozent besteht kein Schutz. So entstehen trotz ausbleibendem Sonnenbrand weiterhin Lichtschäden wie Pigmentflecken, Falten, Kollagenrückgang oder im schlimmsten Fall Hautkrebs. Zudem können chemische Filter schlecht abbaubar, hormonell wirksam und umweltschädlich sein. Wir arbeiten an einem Produkt, das Sonnenschutz mit Astaxanthin kombiniert und diese Nebenwirkungen vermeidet – aber da sind wir noch nicht am Ziel, weshalb wir aktuell empfehlen, beide Produkte nacheinander aufzutragen.
Sonnenschutz für die Haut
Die wichtigsten Tipps:
- Intelligent mit der Sonne umgehen: Die stärkste Strahlung herrscht von 11 - 15 Uhr – in dieser Zeit Sonne möglichst meiden.
- Textilien nutzen: Kleidung ist der effektivste Sonnenschutz. Ein dünnes Baumwollhemd schützt fast so gut wie spezielle UV Shirts.
- Eigenschutzzeit kennen: Jeder Hauttyp hat eine individuelle Eigenschutzzeit. Der Sonnenschutzfaktor verlängert diese um den entsprechenden Faktor.
- Sonnenschutz richtig anwenden: Großzügig eincremen (meist wird deutlich zu wenig verwendet) und regelmäßig nachcremen.
- Nach dem Baden nachcremen: 20 Minuten im Wasser halbieren den Schutz.
- Duftstofffreie Produkte bevorzugen: Duftstoffe erhöhen das Risiko für Hautreizungen und Irritationen in der Sonne.
- Antioxidantien ergänzend einsetzen: Stoffe wie Astaxanthin unterstützen die Haut dabei, freie Radikale abzufangen.
- Frühzeitig vorsorgen: Wer zu Sonnenallergien neigt oder empfindliche Haut hat, kann mehrere Wochen vor der Sonnensaison gezielt vorbeugen.
- Bunt essen: Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Obst und Gemüse stärkt das antioxidative Schutzsystem der Haut.
- Augen nicht vergessen: Sonnenbrillen schützen die Netzhaut, die selbst keinen Eigenschutz besitzt – auf UV Schutz achten, nicht auf den Preis.
Birkenrinde enthält Betulin, damit schützt sich der Baum vor Wind und Sonne
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