DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Innovative Arbeitgeber in und um Kempten - Rebike

 

Serie „Innovative Arbeitgeber in und um Kempten“

„Wir wachsen 40 bis 50 Prozent pro Jahr“

Man sieht den Pfeil kaum, der zum Abbiegen in die Zeppelinstraße 3 auffordert. Doch dann, im Innenhof, in dem sich auch die Lieferrampe der Allgäuer Werkstätten befindet, fängt es an, das Rebike-Land: Parkplatz, Besucherbereich, Büros, Kantine – und vor allem 3.000 qm Halle, auf denen all das passiert, was aus einem gebrauchten E-Bike ein fast in den Neuzustand versetztes „refurbished“ Rebike macht. 

 

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Sven Erger sitzt in einem kleinen Büro mit Glaswänden, die Tür steht offen. Transparenz, ein freundschaftlicher Umgangston und flache Hierarchien – das prägt hier Umgangston und Betriebsklima. Links im Büro hängt ein Whiteboard an der Wand, auf das der Rebike-Gründer die drei Säulen seines Geschäftsmodells aufmalt: 1) Sourcing, also das Beschaffen gebrauchter E-Bikes von Händlern und Leasinggesellschaften. 2) Refurbishment oder: das fachgerechte Instandsetzen der Bikes, um sie als eine Art Jahreswagen mit zwei Rädern zu verkaufen. 3) Absatz, das heißt Verkauf übers Internet – derzeit noch zu 75 Prozent – und in Shops.

Dieser Bereich wird künftig wachsen: Denn der neueste Coup von Rebike ist der Einstieg von Decathlon als Investor. In der Praxis und für den Verkauf bedeutet das: In die europaweiten Decathlon-Filialen zieht in nächster Zeit Stück für Stück ein „Shop in Shop“-Modell von Rebike ein. Auf einer Sonderverkaufsfläche, die entsprechend farblich gekennzeichnet und mit ausreichend Rebike-Logos versehen ist, wird es dann – unter fachkundiger Beratung von Rebike-Mitarbeitenden – gebrauchte, aufbereitete E-Bikes in geprüfter Rebike-Qualität geben.

Rebike-Werkstatt

 

„Rebikes“ made in Kempten

Und all diese Räder kommen woher? Richtig, aus der Zeppelinstraße in Kempten. Während Verwaltung, Controlling, Marketing, Personal und die Software-Entwicklung von Rebike in der Zentrale in München sitzen, ist alles, was das Operative betrifft, in Kempten beheimatet. Und mit mehr als 90 Mitarbeitenden doppelt so groß wie der Münchner Teil. Die Arbeit in Kempten ist äußerst modern organisiert und folgt einem ausgeklügelten, höchst digitalen System. 

Die ankommenden E-Bikes, die überwiegend aus Leasing-Programmen wie „Jobrad“ stammen, müssen erstmal erfasst werden. Dazu werden die offensichtlichen Infos von Rahmen und Co. in ein selbst programmiertes Softwaresystem – von Fachleuten ERP (Enterprise Ressource Planning) genannt – eingegeben und um online auffindbare weitere Modellinfos ergänzt. Dann werden alle individuellen technischen Daten wie Ladezyklen der Akkus oder Gesamtkilometerzahl ergänzt. Erst wenn alle verfügbaren Fakten im System sind, darf ein Rad weiter zur nächsten Station.

Rad-Aufbereitung

 

Einzigartige Fahrrad-Waschanlage

Und das ist, sinnvollerweise, die Waschanlage. Zwei große Boxen, die optisch eher kleinen Garagen ähneln, stehen neben hohen, runden 3.000-Liter-Wasserspeichern an der Hallenwand. „Diese voll automatisierten Anlagen waschen das Radl in fünf Minuten blitzblank. So sauber würde man es in einer halben Stunde Handarbeit nicht bekommen“, sagt Sven Erger und ergänzt: „Die beiden Waschboxen haben wir zusammen mit einem Profi für Autowaschanlangen entwickelt, sie sind einzigartig.“ Und nachhaltig: Das verwendete Wasser ist Regen, der einst aufs Hallendach tropfte, in den großen Behältern gesammelt wurde und nun mit Mikroorganismen kontinuierlich wiederaufbereitet wird.

Während der Waschaktion wird an anderer Stelle bereits das benötigte Ersatzmaterial für jedes Rad zusammengestellt. Je nach Ergebnis der anfänglichen Analyse wird mal nur ein Bremshebel, mal die komplette Bremsanlage oder der ganze Reifen getauscht. Das Material kommt in eine Jutetasche, die nach dem Waschen an den Lenker gehängt wird. Die Fahrradmechaniker:innen bei Rebike haben ein spannendes und gleichzeitig übersichtliches Leben: Jedes Rad ist anders, aber der Prozess läuft immer gleich: Auf dem hochkant gestellten Bildschirm am Arbeitsplatz zeigt das ERP in vielen einzelnen Zeilen an, was alles getan werden muss. Schritt für Schritt klicken die Mechanikerinnen und Mechaniker die Zeilen auf Grün, bis alle Teile aus der Tasche verbaut sind.

Bike-Fotoshooting

 

Fotoshooting vom Feinsten

Als nächstes folgt die Qualitätskontrolle. Auf einem Parcours am Ende der Halle wird jedes Bike gecheckt, bevor es Model spielen darf. Der vorletzte Schritt ist nämlich ein veritables Fotoshooting. Das Rad wird auf einer drehbaren weißen Platte vor weißem Hintergrund in einem Fotostudio platziert, wo zwei Kameras von der Seite und oben extrem scharfe, hochwertige Aufnahmen machen, so dass man später im Online-Shop weit reinzoomen und auch kleinste Kratzer erkennen kann. „Diese Transparenz ist enorm wichtig, um Reklamationen vorzubeugen“, sagt Sven Erger. „Die Leute müssen haargenau wissen, was sie bekommen.“

Die letzte Station, die jedes Rebike durchläuft, ist der Versand. Hier stehen massenweise große Kartonboxen mit der Warnung „Achtung, Inhalt kann Glücksgefühle auslösen“. Sie sind speziell für die E-Bikes designt worden, so dass beim Versand in ihrem Inneren nichts wackelt und alles seinen Platz hat. Der Speditionspartner von Rebike, Emons, bringt die Räder von Kempten aus nach fast ganz Europa: Außer in Deutschland sind die E-Bikes aktuell in Österreich, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Italien und Polen zu bekommen. Mithilfe von Decathlon wird diese Länderauswahl bald noch deutlich wachsen.

Radaufbereitung bei Rebike

 

Gartenzaun und Garagenwerkstatt

Dass das Business so schnell so viel Fahrt aufnehmen würde, hätte sich Sven Erger 2018 nicht träumen lassen. Damals vertraute ihm sein Nachbar Thomas Bernik über den Gartenzaun hinweg eine Idee an, für die er die Hilfe eines Fahrradexperten brauchte: Gebrauchte E-Bikes kaufen, wiederherrichten, verkaufen. Sven Erger, der als Ingenieur sowohl von Rädern als auch von Produktion und Software etwas verstand, stieg voll drauf ein, und schon bald tourten die beiden durch Deutschland, um auf Kleinanzeigen angebotene Bikes einzusammeln – was mühsam war. Der Leasingmarkt war damals noch zu neu für ausreichend Rückläufer. Um die Idee trotzdem zum Laufen zu bringen, erzeugten Sven Erger und Thomas Bernik die gebrauchten Räder selbst: Sie eröffneten einen E-Bike-Verleih in Oberstdorf und überführten die Leihobjekte nach einer gewissen Zeit in ihre Garagenwerkstatt, um sie aufbereitet wieder zu verkaufen.

Rad-Aufbereitung

 

Mitarbeitende in Kempten dringend gesucht!

Interesse war da, die beiden blieben dran – und in Kempten fanden sich ausreichen große Gewerbeflächen, um das Geschäft auszubauen. Im Moment verlassen 25.000 E-Bikes im Jahr die Hallen in der Zeppelinstraße, bald sollen es 50.000 sein. Um dieses Ziel erreichen und vielleicht noch weiter hochschrauben zu können, ist Rebike ununterbrochen auf der Suche nach Fahrrad-Mechanikerinnen und -Mechanikern. Wer einen abwechslungsreichen, nachhaltigen, durchdigitalisierten, modernen und gleichzeitig handwerklichen Job sucht und über die benötigten Fertigkeiten verfügt, sollte sich am besten direkt nach der Lektüre dieses Artikels bei Rebike melden…                      

www.rebike-jobs.de

 

Text und Fotos: Anke Roser