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So funktioniert „Reuse“

Als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger hat der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten – kurz ZAK – die Aufgabe, Abfallwirtschaft weiterzudenken. Dabei haben Abfallvermeidung und Wiederverwendung (Reuse) Vorrang vor Recycling und thermischer Verwertung. Für die Wiederverwendung stehen die ZAK Kaufhäuser. Hier werden gebrauchte Elektrogeräte, Einrichtungsgegenstände, Gläser, Geschirr, Spielzeug, Bücher, Dekoartikel und vieles mehr angeboten – alles Dinge, die ein zweites Leben verdienen. Doch wie wird die Wiederverwendung eigentlich vorbereitet? Welche Stationen durchläuft zum Beispiel der blinkende Schlitten mit den Rentieren? Bei einem Rundgang durch das Kaufhaus in Sonthofen erläutert Raffaele Galvan, Regionalleiter der ZAK Kaufhäuser in Kempten und Sonthofen, wie aus gebrauchten Gegenständen wieder begehrte Waren werden.

 

Warenannahme – mit ZAK Box oder Transporter

Vieles muss nicht entsorgt werden, sondern braucht nur ein neues Zuhause. Kleine Gegenstände, die ihre Besitzer nicht mehr benötigen, aber noch gut erhalten und sauber sind, gelangen zunächst in eine ZAK Box. Diese entspricht in ihren Maßen einem klassischen Umzugskarton und fasst etwa 50 bis 60 Liter. Sie ist an den größten Wertstoffhöfen sowie im Kaufhaus kostenlos erhältlich. Gefüllte ZAK Boxen oder lose Gegenstände können direkt vor Ort am ZAK Kaufhaus abgegeben werden. Ein Mitarbeiter nimmt die Waren entgegen und macht hier bereits den ersten Check: Sind die Waren in Ordnung oder gehören sie doch direkt auf den danebenliegenden Wertstoffhof? 

Die Abholung von sperrigen Möbeln und großen Elektrogeräten kann über ein Formular angefragt werden. Das Kaufhausteam holt die gut erhaltenen Gegenstände auch direkt Zuhause bei den Bürgerinnen und Bürgern mit einem Transporter ab.

 

Sortierung und Prüfung – Sicherheit ist Pflicht

Im Untergeschoss werden die Waren sortiert. Zunächst geht es nach der Größe: Große Gegenstände wie Möbel und Elektrogeräte werden im vorderen Raum untergebracht, kleine und nicht elektrische Waren im hinteren Raum. Dazu später mehr. Alles hat seine Ordnung: Links stehen die Möbel, rechts die Elektrogeräte und andere Waren, deren Funktion geprüft werden muss, zum Beispiel Wanduhren und Fahrräder. Nicht immer sind die Waren ganz sauber. Deshalb werden Polstermöbel noch einmal mit einem Nasssauger oder Schaumreiniger behandelt. 

Auf der rechten Seite befindet sich eine Werkstatt, in der alle elektrischen Geräte einer elektrischen Sicherheitsprüfung nach DGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3) unterzogen werden. Auch der blinkende Schlitten mit den Rentieren musste sich zunächst hier einer „Untersuchung“ unterziehen. Jeder Artikel erhält einen Barcode. So werden alle Daten komplett dokumentiert und gespeichert. Kleine Waren werden im nächsten Raum auf einem großen Tisch ausgebreitet und nach Themen sortiert. Anschließend wandern sie in entsprechend beschriftete Themenkisten im Regal. Zu den Hauptkategorien gehören unter anderem Medien, Geschirr und Dekoartikel. Letztere werden wiederum nach Jahresfesten sortiert.

 

Etikettierung dank Software

An einem weiteren Tisch erfassen zwei Mitarbeiterinnen jeden einzelnen Artikel mit einer eigens dafür entwickelten Software. Jeder Artikel wird fotografiert, einer Warenkategorie zugeordnet und mit Angaben zur Herstellermarke versehen. Die Software schlägt mithilfe von künstlicher Intelligenz einen Preis vor, der anschließend von den Mitarbeitenden geprüft wird. Zum Schluss erhält jeder Artikel ein ausgedrucktes Preisschild mit Barcode. Damit sind die Waren eindeutig gekennzeichnet und digital erfasst. 

Seit 2022 wird die Erfassung aller Waren in den ZAK Kaufhäusern schrittweise digitalisiert. Das erleichtert die Suche, das Auffinden und die Zuordnung der Produkte – und natürlich auch die spätere Bilanzierung. Interessant ist auch, was alles abgegeben wird. Denn manche Waren entpuppen sich als kleine Schätze – zum Beispiel altes Geschirr von Villeroy & Boch. Beim Identifizieren hilft den Mitarbeitenden auch ein klassischer Leitfaden mit zahlreichen Herstellerstempeln.

 

Nach der Vorbereitung – Laden oder Warenlager

Je nach Saison und anstehenden Festtagen geht die Reise weiter ins Lager oder direkt zum Verkauf in den Laden. Das Kaufhaus selbst ist übersichtlich und einladend eingerichtet. Im Eingangsbereich stehen die saisonalen Artikel – derzeit natürlich Weihnachtsdekoration und bald Skier und Snowboards. Klar, dass deshalb auch der leuchtende Schlitten mit den Rentieren hier steht: sortiert, gereinigt, geprüft, digital erfasst, ausgezeichnet und darauf wartend, ein neues Zuhause zu finden. Im ersten Stock befinden sich Einrichtungsgegenstände, Möbel, Gemälde und Bilderrahmen, Kleidung und eine Spielecke.

 

3 Fragen an...

Raffaele Galvan, Regionalleitung Kempten & Sonthofen

 

1  Welche Vorteile hat das ZAK Kaufhaus gegenüber Onlineportalen für Gebraucht waren im Internet? 

Man kann alles ausprobieren und anfassen. Elektrogeräte sind geprüft und auf ihre Funktionalität getestet. Durch das reale „Shopping-Erlebnis“ wird man auch auf andere Artikel aufmerksam. 

 

2 Was ist besonders am Kaufhaus in Sonthofen? 

Die Lage direkt neben dem Wertstoffhof ist sehr praktisch. Viele Kundinnen und Kunden schlendern durch den Laden, nachdem sie beim Wertstoffhof waren. Sie verbinden die Pflicht mit einem kleinen Shopping-Rundgang. Manche Stammkundinnen und -kunden kommen mehrmals in der Woche vorbei. Einige suchen gezielt nach einem Regal und warten geduldig, bis das passende Stück im Laden steht. Manch ein Gegenstand wandert so fast direkt von einem Zuhause zum nächsten. 

 

3 Was bedeutet dir die Arbeit im ZAK Kaufhaus? 

Bei uns geht es vor allem darum, Abfall zu vermeiden. Was jemand zu Hause nicht mehr braucht, macht hier einem anderen eine Freude. So bleiben die Dinge im Nutzungskreislauf und wir schonen Ressourcen. 

 

Die ZAK Kaufhäuser 

  • ZAK Kaufhaus Kempten, Untere Eicher Straße 2
  • ZAK Kaufhaus Sonthofen, Theodor-Aufsberg-Straße 2
  • ZAK Kaufhaus Lindenberg, Hauptstraße 52
  • ZAK Kaufhaus Lindau, Von-Behring-Straße 6-8

 

| Text, Foto: Heike Stix|