Nach umfangreicher Modernisierung ist das Tierheim Kempten bestens für die Zukunft gerüstet. Mit Manfred Hegedüs übernimmt nun ein neuer Vorsitzender den Tierschutzverein – und blickt auf eine solide Basis, die sein Vorgänger Erwin Rauh geschaffen hat.
Nach zehn Jahren an der Spitze des Tierschutzvereins Kempten e.V. übergibt Erwin Rauh den Vorsitz an Manfred Hegedüs. Rauh, der sich nach seinem Berufsleben als Eisenbahner mit Hingabe dem Ehrenamt widmete, prägte den Verein seit 2015 maßgeblich. Neben seinem Engagement bei den Maltesern brachte er seine Erfahrung in den Ausbau und die Weiterentwicklung des Tierheims ein.
In seine Amtszeit fallen zentrale Weichenstellungen: Mit der Tierärztin Dr. Patrizia Höß übernahm eine neue Leitung, zudem wurde das Tierheim umfassend erweitert und modernisiert. Für rund 1,7 Millionen Euro entstanden größere Hundezwinger, eine zeitgemäße Quarantänestation sowie neue Sozial- und Seminarräume. Finanziert wurde das Projekt durch Spenden und Zuschüsse von Stadt, Freistaat und Tierschutzbund. Mit Abschluss der Bauarbeiten übernimmt nun Manfred Hegedüs den Vorsitz. Das 0831 hat mit ihm über seine Motivation und Ziele gesprochen.
- Woher kommt Ihre Motivation für ein Ehrenamt?
Ich stand in meinem Berufsleben als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu beinahe täglich in enger Verbindung zum Ehrenamt. Mir war immer klar, dass ich – wenn das Berufsleben einmal hinter mir liegen würde – selbst noch mehr ehrenamtlich tätig sein wollte. Weil es auch in meinem neuen Lebensabschnitt eine sinnstiftende Aufgabe sein soll – und mittlerweile geworden ist.
- Warum wurde es der Vorsitz im Kemptener Tierschutzverein, der zugleich für das Tierheim Kempten verantwortlich ist? Sind Sie selbst Tierhalter?
Meine Frau und ich waren Tierhalter. Wir hatten einen Jack-Russell-Terrier namens Emil. Er war bis zu seinem Tod 17 Jahre lang bei uns. Wir wollen künftig möglichst ungebunden sein und haben uns entschieden, keinen Hund mehr zu uns zu nehmen. Aber unsere Zuneigung zu Hunden ist unverändert vorhanden. Ganz allgemein finde ich, dass Tiere wenig Lobby haben, diese aber dringend benötigen würden.
- Das Tierheim Kempten hat neue Räumlichkeiten zur Unterbringung von Tieren und neue Sozialräume für die Mitarbeitenden erhalten. Wie kam es dazu?
Um ehrlich zu sein: Da setze ich mich gewissermaßen ins gemachte Nest. Als ich mich für diese für mich neue Aufgabe interessierte, war der Umbau des Tierheims schon in vollem Gange. Lediglich die Fertigstellung und Inbetriebnahme fielen nun in meine Amtszeit. Ich bin dem gesamten, damaligen Vorstandsgremium für die weitsichtige Entscheidung und den Mut zur Umsetzung dankbar. Wir sichern die Zukunft der stationären Tierfürsorge für viele Jahre ab und haben mit dem Neubau unsere Abläufe optimiert – was sie günstiger und zukunftssicherer macht.
- Welche Pläne gibt es für die Zukunft des Tierheims?
Wir wollen verschiedenen Zielen gerecht werden: Ein verlässlicher Partner für die öffentliche Hand – gerade in entstehenden „tierischen Notfällen“ jeder Art. Das können Fundtiere, Beschlagnahmungen oder sonstige Abgaben von halterlosen Tieren sein. Tierfreundinnen und Tierfreunden wollen wir die Möglichkeit bieten, die Neuanschaffung eines Haustieres mit uns vorzunehmen, ihnen also passende Tiere vermitteln. Und schließlich möchten wir ein Problemlöser sein, wenn es gilt, Abwesenheiten von Tierhaltern zu organisieren. Entscheidend für Mensch und Tier ist unsere hohe Kompetenz: Eine promovierte Tierheimleiterin sorgt ebenso für hervorragende Betreuung wie die ihr zur Seite stehenden ausgebildeten Tierpflegerinnen und Tierpfleger.
Text, Fotos: Jörg Spielberg
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