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Bergwacht-Container für den Bikepark

Wer an Liftbetriebstagen in Weitnau zum Bikepark fährt, sieht es am Ende der Straße oberhalb der letzten Kurve direkt stehen: das Einsatzfahrzeug der Bergwacht Kempten. Es parkt etwas unmotiviert in der Wiese, vor der Arbeitshütte des Teams vom Bergsportverein Weitnau. Auf der engen Terrasse sitzen Leute mit und ohne Einsatzklamotten eng nebeneinander – denn viel Platz ist hier nicht. Dieses Bild wird bald der Vergangenheit angehören, denn am Liftgebäude entsteht ein neuer Bergrettungsstützpunkt.

Schon im vergangenen Jahr war die Bergwacht Kempten regelmäßig im damals neu eröffneten Bikepark Weitnau präsent – zunächst noch im Probebetrieb. An den Wochenenden, wenn der Lift lief, rückten die Retterinnen und Retter immer wieder aus, meist von Kempten kommend, später zunehmend direkt vor Ort. Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen drei und fünf Einsätze pro Tag waren keine Seltenheit, der Bikepark wurde zu einem neuen Einsatzschwerpunkt im Dienstgebiet der Bergwacht. Das Einsatzfahrzeug diente als Basis, gearbeitet wurde praktisch aus dem Kofferraum heraus, die kleine Terrasse an der Vereinshütte war Treffpunkt, Schreibplatz und Pausenbereich zugleich.
 

Container wie in Eschach

Dass das auf Dauer so nicht funktioniert, war relativ schnell klar. Zumal auch für Ehrenamtliche die Anforderungen steigen: Dokumentationspflichten, Versorgungssicherheit und nicht zuletzt die Arbeitsstättenverordnung setzen klare Maßstäbe. Doch wie sollte eine professionellere Lösung aussehen? Der Buchenberger Sven Goldhahn von der Bergwacht ließ sich in Eschach inspirieren, wo es am Skilift einen Einsatzcontainer gibt, der von Azubis des Unternehmens „Baufritz“ errichtet wurde. Zusammen mit dem Bauträger entwickelte Goldhahn ein Konzept für einen modularen Rettungscontainer als Basis für den neuen Stützpunkt.

Der Container wird ein so genannter „fliegender Bau“ sein, der auf einem Tieflader angeliefert und auf Schraubfundamenten montiert wird. Innen ist jeder Quadratmeter durchdacht genutzt: Rund sieben Quadratmeter Aufenthaltsraum mit Schreibtisch ermöglichen Dokumentation und Koordination, getrennt durch eine Wand vom eigentlichen Einsatzbereich. Dort befinden sich Lagermöglichkeiten für medizinisches Material, eine aufklappbare Patientenliege sowie ein großes Garagentor – dahinter findet sogar ein Quad Platz, das für schnelle Transporte im Gelände bereitsteht.
 

Viele engagierte Firmen

Äußerlich setzt der Bau, der entlang des bestehenden Liftcontainers aufgestellt wird, auf eine reduzierte, hochwertige Holzbauweise mit einer Fassade, die mit der Zeit gleichmäßig vergraut und sich so in die Umgebung einfügt. Zusätzlich wird außen ein öffentlich zugänglicher Defibrillator installiert – ein Mehrwert für die gesamte Gemeinde. Das Projekt hat in kurzer Zeit viel Unterstützung erfahren. Baufritz steuert im Jahr des 130. Firmenjubiläums eine nennenswerte Spende bei und übernimmt Planung und Umsetzung. Auch regionale Betriebe engagieren sich: Eine Schreinerei spendet Fenster, ein Unternehmen aus Isny das Garagentor, Baustoffe kommen vom Fachhändler Kleinlein.

Gemeinde und Kirche stellen die Fläche zur Verfügung, der Gemeinderat hat dem Vorhaben bereits zugestimmt. Der Bauantrag wurde innerhalb weniger Wochen erarbeitet und eingereicht. Aktuell fehlt noch die finale Zustimmung des Landratsamts, doch die Signale sind positiv. Ziel ist klar: Der Container soll möglichst schnell stehen, damit der Vorsorgedienst zeitnah starten kann. An Betriebstagen werden im Bikepark dann durchgängig zwei ausgebildete Einsatzkräfte und zwei Anwärter vor Ort sein, um eine schnelle medizinische Erstversorgung bei Stürzen und Unfällen im Gelände sicherzustellen.
 

Warum der Stützpunkt?

Mountainbiken gilt als vergleichsweise unfallträchtige Sportart – insbesondere auf technisch anspruchsvollen Strecken. Für die Bergwacht ist das jedoch kein Grund zur Kritik, sondern Teil ihres Selbstverständnisses: „Wir sind Bergretter für Bergsportler“, sagt Goldhahn. „Dazu zählt ganz selbstverständlich auch das Mountainbiken. Entscheidend ist, dass im Ernstfall schnell geholfen werden kann – damit Verletzte nicht lange im Gelände warten müssen und unnötige Schmerzen vermieden werden.“

Finanziert wird das Projekt über einen Mix aus Unternehmensspenden, Sachleistungen, Zuschüssen und Eigenmitteln der Bergwacht. Doch eine Lücke bleibt. Deshalb setzen die Verantwortlichen auch auf private Unterstützung: Über eine Spendenplattform können gezielt einzelne Bedarfe finanziert werden – vom medizinischen Equipment bis zur Inneneinrichtung. Je schneller die Mittel verfügbar sind, umso eher gehört das Bild vom improvisierten Einsatzfahrzeug in der Wiese endgültig der Vergangenheit an.

Auf der Betterplace-Seite der Bergwacht Kempten gibt es einen eigenen Bereich für das Thema Bikepark Weitnau – einfach anklicken und spenden: 

www.betterplace.org/de/projects/155243-bergwacht-kempten-ihre-unterstue…
 

Der Bikepark Weitnau

Der Bikepark Weitnau wurde im Mai 2025 eröffnet, ist der größte seiner Art im Allgäu und auch aufgrund der angebotenen Ausbildungsmöglichkeiten ein wichtiger Bestandteil der hiesigen Mountainbike-Szene. Betrieben und gepflegt wird er vom Bergsportvereins Weitnau in bewundernswertem ehrenamtlichem Engagement. Die Verantwortlichen sind kontinuierlich dabei die Anlage weiter zu verbessern – aktuell etwa durch Überlegungen wie das Aufbringen einer noch robusteren Lehmschicht. Der Park verfügt über die größte Jump-Line im Allgäu sowie eine entspannte Flow-Line und eine wurzelige Enduro-Line. Bei gutem Wetter ist er am Freitagnachmittag, Samstag und Sonntag geöffnet, weitere Details stehen auf der Website und auf Instagram (@bergsportvereinweitnau).