Das Wetter in Kempten zeigt sich von seiner besten Seite: strahlender Sonnenschein, eher zu wenig als zu viel Regen, volle Cafés und Bars, Sommerstimmung satt. Was gibt es da Schöneres als die Wanderstiefel zu schnüren? Wichtig dabei: Gute Vorbereitung ist entscheidender als der perfekte Gipfel-Post!
Noch nie war es so einfach, sich Inspiration für die nächste Tour zu holen. Tourenportale, Apps, Blogs und soziale Medien liefern täglich neue Vorschläge. Die gute alte Kompasskarte ist dabei oft nicht mehr die erste Wahl. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzuschauen, wie seriös eine Empfehlung tatsächlich ist. Denn am Berg zählt am Ende nicht der schönste Instagram-Spot, sondern gute Vorbereitung, passende Ausrüstung und die Fähigkeit, auf unerwartete Situationen reagieren zu können. Ein Plan B gehört deshalb immer mit ins Gepäck.
Schneefeld – was tun?
Gerade zu Beginn des Bergsommers wartet eine Besonderheit auf Wanderer: Altschneefelder. Oft liegen sie überraschend tief und können selbst auf vermeintlich einfachen Touren zum Thema werden.
Die Gefahren werden dabei leicht unterschätzt. Wer auf hartem Schnee ausrutscht und fällt, kann schnell eine unfreiwillige Rodelpartie erleben – wie die Geschichte endet, entscheidet dann das Gelände unterhalb. Bei einem solchen Sturz kann nahezu freie Fallgeschwindigkeit erreicht werden! Hinzu kommt, dass sich unter Schneefeldern oft Bachläufe verbergen.
Ob die Schneebrücke darüber noch tragfähig ist, lässt sich nicht immer erkennen. Ein Einbruch in einen darunterliegenden Hohlraum gehört sicher nicht zu den Erlebnissen, die man mit nach Hause nehmen möchte. Außerdem verschwindet unter dem Schnee häufig die eigentliche Wegführung. Wo der Wanderweg verläuft, ist dann schlicht nicht mehr sichtbar.
Wenn möglich, sollten Schneefelder deshalb großzügig umgangen werden. Muss ein Übergang genutzt werden, empfiehlt es sich, dessen Belastbarkeit vorsichtig zu prüfen und unnötige Belastungen zu vermeiden – beispielsweise, indem Personen einzeln queren.
Wer den Umgang mit solchen Situationen erlernen möchte, findet beim Alpenverein passende Kurse. Dort wird nicht nur Theorie vermittelt, sondern vor allem auch praktisch geübt.
Hochsommer und Handschuhe?
Ein weiterer Faktor überrascht viele Wanderer immer wieder: die Temperatur. Während in der Stadt das Trägerhemdchen völlig ausreicht, sollte im Rucksack für die Berge immer ein wärmendes Backup dabei sein. Pro 100 aufgestiegene Höhenmeter sinkt die Temperatur um etwa ein Grad. Ziehen dann plötzlich Wolken auf und kommt Wind hinzu, fühlt sich die Umgebung innerhalb weniger Minuten deutlich kälter an. Jacke, Handschuhe und Mütze können dann den Unterschied zwischen einem schönen Gipfelerlebnis und einem unangenehmen Rückweg ausmachen.
Apropos Wetter: Zur Tourenvorbereitung gehört selbstverständlich auch ein gründlicher Wettercheck, denn das Bergwetter unterscheidet sich oft deutlich von den Bedingungen im Tal. Wer vor dem Start einen Blick auf die Prognosen wirft, erspart sich manche Überraschung. Auch hier gerne beim Alpenverein bedienen: alpenverein.de/bergwetter.
Nicht vergessen werden sollten außerdem Erste Hilfe, Sonnenbrille und Sonnencreme, gegebenenfalls eine Kopfbedeckung sowie ausreichend Getränke und Essen. Denn Hand aufs Herz: Nirgendwo schmeckt die Brotzeit besser als auf dem Gipfel, den man aus eigener Kraft erreicht hat.
Für die perfekte Tour stelle dir vorab diese Fragen: Passt die Tour zu mir und zu meinen Mitwandernden (Kondition, Wetter-Resilienz), stimmen die Bedingungen vor Ort, hält das Wetter und ist die Ausrüstung vollständig?
Dazu gehört unter anderem:
- Rucksack mit Regenhülle
- Erste-Hilfe-Set, Blasenpflaster, Rettungsdecke, Stirnlampe
- Handschuhe
- Wind-/Regenjacke
- Warme Jacke
- Wanderkarte
- Sonnenbrille und Sonnencreme
- Getränk und Brotzeit, Mülltüte, Taschenmesser
- Geldbeutel
- Handy, eventuell Powerbank
- Wanderstöcke
- Grödel
Der schönste Gipfelmoment beginnt schon mit der Tourenplanung. Und oben heißt es dann: Aussicht bewundern, durchatmen und den Allgäuer Bergsommer in vollen Zügen genießen.
Text und Bilder: Eva Konzelmann
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