Es sind leise Beschwerden, über die kaum gesprochen wird – und die doch das Leben vieler Frauen nachhaltig verändern. Der Intimbereich ist ein sensibler, zentraler Teil des Körpers. Funktioniert hier etwas nicht, betrifft das nicht nur einzelne Momente, sondern den gesamten Alltag. Brennen, Trockenheit oder ein Gefühl mangelnder Kontrolle können die Lebensqualität stark einschränken. Doch es gibt hilfreiche moderne Therapieansätze. Wir haben mit einer Kemptener Spezialistin darüber gesprochen.
Anders als klassische Schmerzen, die oft nur bei Belastung auftreten, lassen sich intime Beschwerden kaum ausblenden. Sie begleiten Frauen morgens beim Aufstehen, tagsüber im Büro, beim Sport oder abends im Bett. Und sie wirken weit über die körperliche Ebene hinaus: Partnerschaft, Selbstbild und Unternehmungslust können darunter leiden. Besonders tückisch: Viele Frauen sprechen nicht darüber. Sie arrangieren sich. Dabei betreffen solche Beschwerden Frauen jeden Alters. Nach Geburten kann es zu einer Stressharninkontinenz oder einer Senkung kommen. In den Wechseljahren verändert sich durch hormonelle Umstellungen das Gewebe im Intimbereich, wird dünner und trockener. Und auch sehr junge Frauen, etwa nach Krebserkrankungen, sind betroffen.
Die gute Nachricht: Es gibt moderne medizinische Möglichkeiten, die gezielt helfen können – vorausgesetzt, man redet darüber. Wir haben mit der Kemptener Frauenärztin Dr. Sophia Blaßhofer über genau dieses Thema gesprochen. In ihrer gynäkologischen Praxis in Kempten, die sie zusammen mit Dr. Isabell Dematté betreibt, steht der einzige Vaginallaser im Allgäu – und ihre Erfahrungen damit sind extrem ermutigend.
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Frau Dr. Blaßhofer, Sie begleiten Frauen jeden Alters. Was sind Ihre persönlichen Schwerpunkte? Und warum wird der Intimbereich oft unterschätzt?
In unserer Praxis begleiten wir Frauen in allen Lebensphasen – vom ersten Frauenarztbesuch über Verhütungsberatung, Kinderwunsch und Schwangerschaft bis hin zu den Wechseljahren. Ein Schwerpunkt ist die Hormonsprechstunde, denn Hormone beeinflussen das körperliche und seelische Wohlbefinden einer Frau in jedem Alter.
Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist die intime Gesundheit der Frau. Leider rückt sie meist erst dann in den Fokus, wenn Beschwerden auftreten. Der Intimbereich hat einen enormen Einfluss auf Lebensqualität, Selbstwertgefühl, Partnerschaft und Sexualität. Trockenheit, Brennen, wiederkehrende Infektionen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Blasenschwäche können den Alltag erheblich belasten. In meinem Praxisalltag beobachte ich immer wieder, dass Frauen ihre Beschwerden lange mit sich herumtragen. Viele sprechen aus Scham nicht darüber oder glauben vielmehr, ihre Symptome seien normale Begleiterscheinungen des Älterwerdens, nach einer Geburt oder im Rahmen der Wechseljahre. Das stimmt nicht. Intimgesundheit ist ein wichtiger Bestandteil der Frauengesundheit – und wir haben wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Darüber müssen wir viel offener sprechen. -
Dabei gibt es viele Möglichkeiten zu helfen. Sie arbeiten mit einem Vaginallaser. Wie funktioniert diese Methode – und was passiert dabei im Körper?
Die angesprochenen Beschwerden können wir mit verschiedenen bewährten Therapien sehr gut behandeln. Hier spielen Beckenbodentraining, Physiotherapie, Pessartherapie sowie lokale, hormonelle Therapien eine entscheidende Rolle. Ansprechpartner sind hier die behandelnden Frauenärztinnen und Frauenärzten, sowie Hebammen und Physiotherapeut:innen.
Als ergänzende Therapieform bieten wir die vaginale Lasertherapie seit einigen Jahren erfolgreich an. Wir verwenden einen Erbium YAG Laser, der speziell für die Behandlung von Beschwerden im Intimbereich entwickelt wurde und mit gezielter Lichtenergie arbeitet. Diese Energie wird in die Scheidenschleimhaut abgegeben und wirkt vor allem in der tieferliegenden Bindegewebsschicht – der sogenannten Lamina propria, die für Stabilität und Elastizität verantwortlich ist. Dort löst der Laser einen kontrollierten Reiz aus: Bestehende, oft bereits gelockerte Kollagenstrukturen werden zerstört bzw. aufgebrochen. Das ist ein wichtiger Schritt, denn dadurch wird ein natürlicher Regenerationsprozess angestoßen. In den Wochen danach bildet der Körper neues Kollagen und auch neue kleine Blutgefäße. Ziel ist es, die Gewebequalität, Durchblutung und Feuchtigkeitsversorgung der Schleimhaut von Vagina und Vulva zu verbessern. -
Für welche Beschwerden und Zielgruppen ist die Behandlung besonders geeignet?
Grundsätzlich profitieren vor allem zwei Patientinnengruppen: Zum einen jüngere Frauen nach Schwangerschaft und Geburt, die unter einer leichten Stressharninkontinenz leiden – das heißt, beim Husten, Niesen, Lachen oder Joggen geht ein bisschen Urin ab. Auch leichte Senkungsbeschwerden können gut behandelt werden. Viele dieser Frauen machen zuverlässig Beckenbodentraining. Das Training der Muskulatur des Beckenbodens bildet die Basis. Wenn das Bindegewebe aber geschwächt ist, kann der Laser eine sinnvolle Ergänzung sein.
Die zweite große Gruppe sind Frauen in und nach den Wechseljahren. Durch den sinkenden Östrogenspiegel verändert sich das Gewebe im Intimbereich – es wird dünner, trockener und anfälliger für Infekte. Beschwerden wie Trockenheit, Juckreiz, Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr treten häufiger auf. Auch Blasenbeschwerden, häufige Infekte und eine Verschlechterung der Kontinenz nehmen zu. Darüber hinaus stellt die antihormonelle
Lasertherapie für Frauen z. B. nach Brustkrebs oder anderen Krebstherapien eine gute Behandlungsoption dar. -
Was verändert sich konkret für die Frauen im Alltag? Können Sie Beispiele nennen?
Viele Frauen gewöhnen sich über Jahre an ihre Beschwerden und passen ihren Alltag entsprechend an. Nehmen wir beispielsweise die junge Mutter, die nach der Geburt an einer leichten Stressharninkontinenz leidet. Aus Angst vor ungewolltem Urinverlust und einem Druckgefühl geht sie nicht mehr oder nur noch eine kleine Runde joggen. Sie plant ihre Strecke nach den Möglichkeiten, diskret auf die Toilette zu gehen. Wenn das pausenlose Joggen nach der Behandlung wieder möglich ist, gewinnt sie Lebensqualität und Freiraum zurück. Genauso wenn Trampolin springen mit den Kindern wieder Spaß macht.
Häufig sehen wir Frauen während oder nach den Wechseljahren mit ausgeprägter Scheidentrockenheit. Die Beschwerden reichen von Brennen und Juckreiz bis hin zu Schmerzen beim Sitzen, Radfahren oder beim Geschlechtsverkehr. Wenn hier konservative Maßnahmen und lokale Hormonpräparate nicht ausreichend helfen oder nicht infrage kommen, kann die vaginale Lasertherapie hier sehr gute Ergebnisse erzielen. Zusammenfassend bekommen wir die Rückmeldung, dass alltägliche Aktivitäten wieder unbeschwerter möglich sind und die Beschwerden weniger Raum im Alltag einnehmen. Genau darauf kommt es an. -
Wie läuft so eine Laserbehandlung ab – und wie wird sie von den Patientinnen empfunden?
Die Behandlung erfolgt ambulant in der Praxis und dauert in der Regel 15 bis 20 Minuten. Eine Narkose ist nicht erforderlich. Die Lasersonde ähnelt einer Ultraschallsonde und wird vorsichtig in die Scheide eingeführt. Sie wird gedreht und schrittweise zurückgezogen, sodass die gesamte Schleimhaut gleichmäßig behandelt wird. Das Gerät gibt dabei kleine Impulse ab – man hört ein leises „Tack, tack, tack“ und spürt das auch als leichtes Klopfen. Die Behandlung ist schmerzfrei. Aber natürlich empfindet jede Frau den Intimbereich anders. Hitze entsteht übrigens kaum, da es sich um einen sogenannten „Kaltlaser“ handelt. Im Anschluss wird gegebenenfalls der äußere Intimbereich gelasert.
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Wie oft wird behandelt? Was kostet das? Und ist die Methode wissenschaftlich abgesichert?
Wir empfehlen drei Sitzungen im Abstand von sechs bis acht Wochen. Die Behandlung ist damit abgeschlossen. Eine Auffrischung bei erneuten Beschwerden ist möglich. Es handelt sich aber nicht um eine dauerhafte Therapie. Die Kosten liegen zwischen 300 und 400 Euro pro Sitzung. Die privaten Krankenkassen tragen in der Regel die Kosten, je nach Tarif. Darüber hinaus wird der Betrag auch von vielen gesetzlichen Betriebskrankenkassen übernommen.
Mir ist wichtig zu betonen: Die vaginale Lasertherapie stellt eine vielversprechende, moderne, ergänzende Therapieoption der milden Stressharninkontinenz, der leichten Senkung sowie bei der Behandlung des urogenitalen Syndroms der Menopause dar. Dies ist in den medizinischen Leitlinien aufgenommen. Die aktuelle Studienlage ist insgesamt ermutigend, gleichzeitig wünschen wir uns als Fachärztinnen und Fachärzte weitere hochwertige Langzeitstudien. Es ist entscheidend, jede Patientin individuell zu beraten. Die vaginale Lasertherapie ist kein alleiniger Ersatz für bewährte Therapien, kann aber für ausgewählte Patientinnen eine sinnvolle und schonende Behandlungsoption darstellen.
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