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Wunderbare Wertstoffhöfe

Wer ein Haus umbaut, hat viel zu entsorgen. Bei uns war es das volle Sortiment: Ziegelsteine, Fliesen, Estrich, Fenster, Türen, Balken, Dämmung und sehr viel Baumschnitt aus dem Garten. Für manches, etwa Estrich und Erdaushub, haben wir Container von gewerblichen Entsorgern kommen lassen. Alles andere wurde in unzähligen Fahrten auf den Wertstoffhof gefahren.

Einfahrt Wertstoffhof Schumacherring in Kempten: Gleich rechts steht der Container für die Gartenabfälle, dann folgen die für Bauschutt, unterteilt in „verwertbar“ und „nicht verwertbar“. Für den Rest muss man sich auf die Autospur begeben, die in die Halle führt. Hier ist dann Platz für Elektroschrott, Kühlgeräte, Altmetall, Altholz, Sperrmüll, Kartonagen, Verkaufsverpackungen (Gelber Sack) und vieles mehr. Die Annahme-Liste des ZAK für seine Wertstoffhöfe führt mehr als 20 Arten von Abfall auf, die an den insgesamt 38 Wertstoffhöfen in der Stadt Kempten und den Landkreisen Lindau und Oberallgäu abgegeben werden dürfen.
 

Geschichten aus dem Leben

Ich komme hier nie ohne einen freundlichen Plausch durch. Die Mitarbeiter meines Vertrauens wirken, als würden sie sich richtig freuen, wenn ich komme. Sie sind interessiert, denn nicht allzu viele Frauen liefern hier halbe Häuser ab! Außerdem erzähle ich immer Geschichten, etwa vom Abriss der Badwand, deren Reste ich dabeihabe und die wider Erwarten doch tragend war – zum Glück konnte ein schnell eingezogener Stahlträger die Statik retten. Im Gegenzug bekomme ich ein Schmunzeln sowie Geschichten aus dem Leben der hier arbeitenden Menschen – von Gesundheits- bis zu Urlaubsthemen. Ich mag diesen wertschätzenden Umgang und das Gefühl, dass man sich gegenseitig ein klein wenig Zeit schenkt.
 

Die Sache mit dem Recycling

Phasenweise bin ich mehrfach die Woche am Schumacherring. Bald kenne ich die Regeln ganz genau: Am Mittwoch, Donnerstag und Samstag kann ich vormittags kommen, ansonsten erst ab 14 Uhr. Leere Zement- und Putzsäcke ohne Recyclingsymbol kann ich in die Restmülltonne werfen oder teilweise beim Händler zurückgeben. Verkaufsverpackungen wie z. B. Reinigungsmittelflaschen und leere Spraydosen darf ich im Gelben Sack am Wertstoffhof abgeben, denn für sie habe ich beim Einkaufen bereits einen Recycling-Beitrag an die Dualen Systeme gezahlt. Für Verbrauchsgegenstände aus Kunststoff gibt es kein solches Rücknahmesystem, weshalb der Wertstoffhof nicht der richtige Ort ist für Dinge wie Spielzeug, Spülbürsten, Tischdecken, Malerfolien oder Plastikschüsseln – sie gehören in die Restmülltonne. Töpfe und Pfannen dagegen dürfen abgegeben werden – sie sind Altmetall, genauso wie Fahrräder, Wäschespinnen oder Dachrinnen.

Spannend ist auch das Thema Glas: Fensterscheiben-, Bilderrahmen-, Draht- und Spiegelglas gehören in den hinteren Bauschuttcontainer und gelten als „nicht verwertbar“. Ganz im Gegensatz zum Verpackungsglas. Rund 9.000 Tonnen Altglas werden pro Jahr im ZAK-Gebiet zum Recycling gebracht. Wichtig ist dabei die präzise Sortierung nach Weiß-, Braun- und Grünglas, denn nur wenn die Farben ordentlich voneinander getrennt sind, kann das Glas effizient in den Aufbereitungsanlagen weiterverarbeitet werden. Blaues oder rotes Glas gehört übrigens zum Grünglas. Deckel von Glasverpackungen müssen nicht zwingend abgeschraubt werden – die Sortieranlage trennt sie zuverlässig von den Scherben.
 

Wo geht das Material nur hin?

Was passiert eigentlich mit all den Sachen, die man am Wertstoffhof abgibt – mitsamt der Verantwortung für alles Weitere? Vieles von dem, was der ZAK einsammelt, verwertet er selbst: In seiner Vergärungsanlage, seinem Kompostwerk und seinem Müllheizkraftwerk (das wir euch übrigens in der nächsten Ausgabe genauer vorstellen werden). Die Container für Verkaufsverpackungen (Gelber Sack) werden vier- bis fünfmal pro Woche geleert, und die Wertstoffe werden im Anschluss zu einer Sortieranlage gebracht. Elektroschrott und Kühlgeräte werden alle zwei Wochen, TV-Geräte alle vier Wochen abgeholt. Und dann gibt es noch die nicht verwertbaren Baustoffe, also mineralische Abfälle aus Bau- und Abbruchtätigkeiten, die weder recycelt noch thermisch verwertet werden können – wie beispielsweise die alten Fliesen und Spiegel aus meinem Bad. Für sie bleibt nur eine Option: Sie werden zur Bauschuttdeponie Steinegaden geschafft und dort auf Dauer abgelegt. 

 

3 Fragen an...

Tobias Brey, Abteilungsleiter Wertstofferfassung beim ZAK

  1. Was macht die Arbeit an den Wertstoffhöfen besonders?
    An unseren 38 Wertstoffhöfen im ZAK-Verbandsgebiet arbeiten mehr als 300 Menschen. Sie sind jeden Tag Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger, behalten den Überblick und sorgen dafür, dass Wertstoffe und Abfälle richtig erfasst werden. Viele Leute kommen mit vollen Kofferräumen, Anhängern oder Dingen, bei denen sie nicht genau wissen, wohin damit. Das Wertstoffhof-Team hilft gerne weiter und sorgt dafür, dass der Besuch möglichst unkompliziert abläuft.
     
  2. Wie kann man es den Mitarbeitenden am Wertstoffhof möglichst einfach machen?
    Indem man die Abfälle und Wertstoffe vor dem Wertstoffhofbesuch schon vorsortiert. Hilfreich ist es beispielsweise, zuhause bereits Kartonagen, Zeitungen und Mischpapier voneinander zu trennen. Das macht den Besuch entspannter, weil vor Ort vieles schneller geht.
     
  3. Gibt es Beispiele, an denen man sieht, welche Mengen an den ZAK Wertstoffhöfen zusammenkommen?
    Ja, das wird besonders deutlich, wenn man sich einzelne Fraktionen anschaut. 2025 wurden an unseren ZAK Wertstoffhöfen im Verbandsgebiet zum Beispiel rund 17.674 Tonnen Grüngut erfasst – also alles, was bei Gartenarbeit, Rückschnitt und Pflege anfällt. Dazu kamen 16.779 Tonnen Altholz, 11.701 Tonnen verwertbarer Bauschutt, 11.601 Tonnen Sperrmüll und 4.617 Tonnen Altmetall. Und das sind nur einige Beispiele. Die Zahlen zeigen aber schon gut, wie viel im Lauf eines Jahres zusammenkommt – vom Baumschnitt über kaputte Möbel bis hin zu Material aus Sanierungen. 
     

ZAK und HOI! am Schumacherring

Seit 1994 kooperieren die ZAK Abfallwirtschaft GmbH und der HOI! Psychosoziale Hilfsgemeinschaft e.V. am Wertstoffhof Kempten Schumacherring, und zwar in der Art und Weise, dass der HOI!-Verein den Wertstoffhof im Auftrag des ZAK betreibt. Neben Wertstofferfassung und Abfalltrennung steht der Standort deshalb für sinnstiftende Arbeit und die Förderung psychischer Gesundheit. Unterschiedliche Anforderungsprofile, flexible Arbeitszeiten und individuell angepasste Arbeitsplätze ermöglichen eine passgenaue Beschäftigung. Die positiven Rückmeldungen aus der Bürgerschaft unterstreichen den Erfolg – so verbindet sich ökologische Nachhaltigkeit mit Inklusion und gesellschaftlicher Teilhabe.


Text: Anke Roser, Fotos: Isenhoff/Philip Herzhoff, ZAK