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Nicht stehenbleiben, sondern gemeinsam weitergehen

 

Seit wenigen Wochen ist sie Geschäftsführerin des größten Kemptener Vereins, der DAV-Sektion Allgäu Kempten: Corinna Braun. Ein Gespräch über Bergliebe, Neugier, Chancen – und die Bedeutung von Team und Respekt.
 

Worauf freust du dich am meisten in deiner neuen Aufgabe? 

Vor allem auf die Vielfältigkeit. Ich habe das Gefühl, dass ich diesen Aufgabenbereich noch gar nicht komplett überblicke – und genau dieses abwechslungsreiche Spektrum reizt mich. Außerdem ist mir Weiterentwicklung wichtig: nicht stehen bleiben, sondern gemeinsam mit dem Team schauen, wo wir hinwollen und wie wir uns sinnvoll weiterentwickeln können.
 

Du bist noch nicht lange in der Sektion. Wie verlief dein Weg hierher?

Ich bin seit 2012 in Kempten, seit Juli 2025 hier beim DAV. Mein Lebenslauf ist recht bunt. Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin gemacht und im OP gearbeitet. Danach bin ich in den Tourismus gewechselt, war mehrere Jahre saisonal im europäischen Ausland tätig. Mit 27 kam dann der Entschluss zum Studium. Ich bin gebürtige Berlinerin, komme aus einer bergliebenden Familie und wollte bewusst nah an den Bergen leben. So bin ich für Tourismusmanagement nach Kempten gekommen.
 

Und parallel warst du weiterhin outdoormäßig unterwegs…

Ja, ich habe während des Studiums viel gearbeitet, unter anderem wieder im OP, mich dann aber selbstständig gemacht – als Bergwanderführerin, Mountainbike-Fahrtechniktrainerin und Trainerin für Teamevents, denn ich habe eine Menge Weiterbildungen im Bereich Teambuilding und Team-Kommunikation gemacht. Generell gehe ich mit offenen Augen durchs Leben, versuche die Chancen zu nutzen, die es mir bietet und habe keine Angst vor Veränderungen.
 

Wann kam der Schritt zum DAV in Kempten?

Nach dem Master in Arbeits- und Organisationspsychologie. Als die Leitung des Geschäftsbereichs Theke & Gastronomie ausgeschrieben war, dachte ich sofort: Das passt. Als dann Ende vergangenen Jahres die Geschäftsführungsstelle frei wurde, habe ich lange überlegt. Ich war in meiner aktuellen Position sehr zufrieden – aber solche Möglichkeiten kommen nicht oft. Also habe ich meinen Hut in den Ring geworfen und zum Glück rasch eine Zusage bekommen.
 

Was sind deine zentralen Projekte in den nächsten Jahren?

Ein großes Thema wird der geplante Anbau – je nachdem, was durch den Bauausschuss geht, wird das ein Riesenprojekt. Gleich zeitig befinden wir uns nach einem extrem starken Wachstum in einer Phase der Konsolidierung. Als mein Vorgänger Michael Turobin-Ort hier angefangen hat, gab es vier Festangestellte, jetzt sind es mehr als 20. Die Mitgliederzahl hat sich auf gut 27.000 verdoppelt. Nun geht es darum, innezuhalten und bewusst zu gestalten: Wie entwickeln wir uns weiter? Das dritte große Thema ist die Digitalisierung, etwa bei den Mitgliedsausweisen, dem Check-in in die Kletterhalle oder den Bestellprozessen im Restaurant Biwak. Hier müssen wir schauen, was geht und zu uns passt.
 

Wirst du neue Schwerpunkte setzen?

Zuerst möchte ich verstehen, was da ist. In enger Abstimmung mit Team, Trainern und Mitgliedern. Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung geben wichtige Hinweise. Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele – bei Kursen, Touren, Veranstaltungen oder auch in der Gastronomie. Entscheidend ist, das Gesamtbild im Blick zu behalten. Für die einzelnen Geschäftsbereiche habe ich starke Kolleginnen und Kollegen, die ihre Themen verantworten.
 

Welche großen Herausforderungen siehst du für den DAV insgesamt?

Besucherlenkung und Nachhaltigkeit. Der Schutz der Berge, der Erhalt der Wege, ein gutes Miteinander der Sportarten, zum Bei spiel beim Wandern und Mountainbiken. Themen wie Trailsharing funktionieren andernorts schon gut, auch ein Ausbau des Mountainbike-Trailnetzes könnte – in Richtung Zukunft und Schneemangel gedacht – nicht schaden. Wichtig ist an erster Stelle aber immer der gegenseitige Respekt. Dazu kommt die Frage, wie Menschen umweltfreundlich in die Berge kommen. Das sind große Aufgaben – aber auch welche, die zeigen, wie wichtig die Arbeit des DAV ist.

Text: Anke Roser, Foto: Matthias Keller