Direkt zum Inhalt

Von Wolle bis Wellness: Alpakas im Allgäu

 

Alpakas haben in den letzten Jahren im Oberallgäu einen kleinen Hype ausgelöst: Sie gelten als entschleunigende „Co-Therapeuten auf vier Beinen“, liefern hochwertige Wolle und locken Familien genauso an wie gestresste Berufstätige oder Senioren. 

Zuallererst sind es wohl die sanfte, neugierige Ausstrahlung und das überaus nette und für uns exotische Aussehen, was allein schon schmunzeln lässt: Ein angedeutetes Grinsen, ein leichter Unterbiss, kugelrunde Augen mit langen Wimpern und dazu die lustigsten Frisuren! Typisch sind außerdem ihre kleinen Laute, die ein wenig nachdenklich klingen. Kein Wunder, dass man sie am liebsten gleich umarmen möchte. Leider ist das aber der falsche Ansatz, denn Alpakas sind typische Distanztiere und damit vorsichtig und zurückhaltend, aber neugierig und den Menschen zugewandt.


Alpakaaktivitäten im Allgäu

Am besten bekannt sind Alpakawanderungen. Die beruhigende Ausstrahlung der Tiere trägt zur Entschleunigung bei und die Fokussierung auf das gemeinsame Gehen bewirkt eine bewusstere Wahrnehmung der Natur. Sowohl Familien als auch Firmengruppen oder Schulklassen buchen gerne solche Wanderungen als kleine Auszeit. Alpakas eignen sich außerdem sehr gut für die tiergestützte Therapie und Förderung. So können z. B. Personen mit Einschränkungen durch das Führen Selbstwirksamkeit erleben, Integrationsklassen wachsen zusammen und beruflich belastete Personen reduzieren ihr Stresslevel. Die Teilnehmenden erfahren Ausgleich, Öffnung und lernen das Zulassen.

Weitere Angebote sind Themenwanderungen für Paare, Freunde oder Kinder, Sonnenauf- oder -untergangstouren und Hofführungen mit Tierbegegnung und dem Verkauf von Produkten aus Alpakawolle. Das Allgäu hält ein breites Angebot bereit – siehe Karte/Aufstellung.


Alpakahaltung – wie war das doch gleich mit den Lamas?

Alpakas und Lamas werden oft verwechselt, es gibt aber deutliche Unterschiede: Lamas sind größer und kräftiger, haben gebogene Ohren, sog. Bananenohren. Alpakas sind kleiner und zierlicher mit geraden Ohren. Sowohl Lamas als auch Alpakas sind keine Wildtiere, beide wurden seit mehreren tausend Jahren von den Inkas in Südamerika gezüchtet. Lamas wurden traditionell als Lasttiere eingesetzt, Alpakas dagegen hauptsächlich wegen ihrer wertvollen Faser und in Südamerika auch zur Fleischgewinnung gezüchtet. Spucken können sie aber beide! 

Alpakas sind Herdentiere, mindestens zwei bis drei sind Pflicht. Sie brauchen genügend Weidefläche, einen Stall, der täglich gesäubert wird, tierärztliche Versorgung, Nagelpflege und eine jährliche Schur. Seriöse Halter stehen im Austausch und bilden sich zu Themen wie Gesundheit, Zucht, Fütterung etc. laufend fort. Zudem wird bei gewerblicher Haltung ein Sachkundenachweis nötig. Alpakas auf einem Hof zu besuchen ist für Laien sicher die bessere Wahl, denn ein solches Tier stellt man sich nicht eben schnell in den Garten.


Alpakawolle – Gewinnung und Verarbeitung

Alpakas stammen von Vikunyas ab und gehören zu den Kamelen. In ihrer Herkunftsregion, den südamerikanischen Anden, wurden sie vor allem wegen ihrer feinen Wolle gezüchtet. Sie ist weich, wärmend, thermoregulierend, antiallergisch und enthält kein Lanolin, weshalb sie auch von Menschen mit empfindlicher Haut gut vertragen wird. Alpakawolle zählt zu den edelsten Naturfasern, aus der vielerlei Produkte gefertigt werden: Mützen, Handschuhe, Socken, Filzprodukte, Pullover, Decken, Sitzkissen und Einlegesohlen, außerdem Rohwolle oder Strickgarn. 

Alpakas würden ohne Schur komplett „zuwachsen“, weshalb sie jährlich und vor allem fachkundig geschoren werden müssen: Nur Fasern, die länger als fünf Zentimeter sind, können sinnvoll zu wertvollem Filz weiterverarbeitet werden. 


Die Familie Greif und Übelhör und ihre „Allgäuer Wollmanufaktur“ in Sulzberg: 

Claudia und Markus GreifBei Claudia und Markus Greif in Sulzberg gibt es viel Platz auf der Weide und im lichtdurchfluteten Stall für ihre rund 20 Alpakas in unterschiedlichen Farben. Sie halten die Tiere, bieten Wanderungen an, verarbeiten die Wolle und stellen verschiedene Produkte daraus her, die im eigenen Hofladen verkauft werden. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Markus, wie seid ihr aufs Alpaka gekommen?
Meine Schwägerin und ihr Mann halten im Oberallgäu bei Sonthofen Alpakas. Irgendwann platzte die Alpakazucht aus allen Nähten und gleichzeitig überlegten wir hier in Sulzberg, wie wir unseren Hof mit Milchwirtschaft in die Zukunft führen könnten. So kam eins zum anderen, die Kühe gingen, die Alpakas zogen ein. Es war ein harter Abschied und zugleich ein spannender Neuanfang.

Wie ergänzt ihr euch?
Anna Katharina hat eine Ausbildung in tiergestützter Förderung und kann Alpakawanderungen und Einzelförderungen mit sehr unterschiedlichen Zielsetzungen leiten – vom Schüler bis zum gestressten Manager findet jeder, was er braucht. Mein Schwager ist Industriemechaniker, er betreut unseren kleinen Maschinenpark und hat uns sogar schon selbst eine Maschine gebaut, mit der wir Naturkautschuk auf die Unterseite unserer Einlegesohlen aufbringen. Meine Frau Claudia und ich haben den Stall und die Wollverarbeitung hier in Sulzberg.

Maschinen – was darf man sich darunter vorstellen?
Unser kleiner Maschinenpark besteht aus alten und neuen Maschinen. Diese sind hauptsächlich mechanisch, gut einzustellen und zu warten und vor allem sehr robust! Mit ihnen verarbeiten wir die Rohwolle zu einem dünnen Vlies, aus dem im nächsten Schritt Nadelfilz hergestellt wird, woraus dann die Endprodukte entstehen. Wir haben auch Waschmaschinen, denn zuerst muss die Wolle ja gewaschen und getrocknet werden. Inzwischen hat es sich schon herumgesprochen und wir verarbeiten auch fremde Schaf- und Alpakawolle.

Was unterscheidet eure Produkte von „normaler“ Kaufhausware?
Regionalität wird hier groß geschrieben, denn die Tiere leben hier, hier werden sie geschoren, hier verarbeiten wir die Wolle auf unseren eigenen Maschinen und verkaufen die Produkte daraus im angeschlossenen Hofladen. Zum Glück wissen das heutzutage immer mehr Kunden zu schätzen.

Dein Blick in die Zukunft: Was wünschst du dir für deinen Hof und deine Tiere?
Wir setzen nicht auf schnellen Zugewinn, sondern auf gesundes Wachstum. Die Erfahrungen, die wir sammeln, nutzen wir sinnvoll für stetige Verbesserungen. Ganz besonders freuen wir uns über gesunde Tiere und über das Interesse der Menschen an echter Handarbeit und hochwertigen Naturprodukten.

www.allgaeuer-wollmanufaktur.de 

www.nagelfluh-alpakas.de
 

Alpakahöfe im Allgäu 

  • Allgäu Alpaka, Pfronten 
    Familienbetrieb mit Huacaya-Alpakas, Wanderungen, Yoga und Hofladen allgaeu-alpaka.de
     
  • Alpacas vom Pappelhof, Isny im Allgäu
    Kleinere Alpaka-Farm mit Führungen in idyllischer Umgebung alpacas-vom-pappelhof.de
     
  • Alpakaleben GmbH, Aitrach
    Barrierefrei zugänglicher Alpaka-Hof mit Wanderungen und Fütterung alpakaleben.de
     
  • Alpakaliesl, Bad Grönenbach 
    Ruhige Alpaka-Begegnungen in wunderschöner Umgebung alpakaliesl.de
     
  • Alpaka-Oberstdorf 
    Farm im Oberallgäu, Ausgangspunkt für Spaziergänge in alpiner Landschaft alpaka-oberstdorf.de
     
  • Alpakas am Wald, Kaufbeuren
    Kombination aus Alpaka- und Lama-Wanderungen mit Naturerlebnissen alpakas-am-wald.de
     
  • Alpakas am Weilbächle, Pfaffenhausen
    Alpaka-Erlebnisse, Spaziergänge, Yoga-Angebote, Wollwarenverkauf alpakas2019@gmx.de
     
  • Alpen Alpakas, Lechbruck am See
    Geführte Wanderungen durch die idyllische Landschaft rund um den Lechsee alpenalpakas.de
     
  • Eselhof Allinger, Untrasried 
    Kombination aus Esel- und Alpaka-Erlebnisbetrieb, Kutschfahrten eselhof-eschers.com
     
  • Günztal Alpakas, Erkheim
    Familienbetrieb mit Alpakas auf der Günztal-Weide günztal-alpakas.de
     
  • Heslerhof, Isny im Allgäu
    Traditioneller Bauernhof mit Alpaka-begleiteter Wanderung im Argental heslerhof.de