DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Tontechniklabor "SoundLab" an der Hochschule Kempten

 

Das besondere Tontechniklabor

Ein junges Mädchen geht an einem Bach entlang und fotografiert. Je mehr Vögel sie mit ihrer Handy-App bestimmen kann, desto mehr Brotstücke und Nüsse bekommt sie als Belohnung. Die braucht sie später, um von den Raben und Eichhörnchen zu erfahren, wo ihr Liebster gefangen gehalten wird. Nun stelle man sich diese Szene ohne Ton vor. Irgendwie komisch, oder? Leer, unvollständig. Musik und Geräusche machen Filme, Videos und PC-Spiele lebendig, authentisch und stimmungsvoll. Genau dafür gibt es an der Hochschule Kempten das SoundLab. Hier produzieren Studierende des Studiengangs „Game Engineering“ Töne und Geräusche aller Art, um mit Hilfe von modernsten audiotechnischen Tools ihre selbst entwickelten Computerspiele in ein vollendetes Erlebnis zu verwandeln.

Das „SoundLab“ ist ein tontechnisch optimiertes Labor mit einer hochmodernen Ausrüstung. Es bietet den Raum, die akustischen Voraussetzungen und die Ausstattung, um für Computerspiele Musik zu komponieren, aufgenommene Stimmen (Voice-Overs) einzusprechen und Geräusche aufzunehmen, zu bearbeiten und einzubauen. Professionell betreut und beraten werden die Studierenden von dem Musiker, Tontechniker und Filmmusikmacher Sebastian Kern, der das SoundLab seit 2017 leitet.

 

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Das Besondere

Mit der speziellen Audio-Software Wwise der Firma Audiokinetic, verschiedenen Mikrofonen und Aufnahmegeräten, einer umfangreichen Soundbibliothek sowie einem Keyboard stehen den angehenden Spieledesignern und -entwicklern alle Tools zur Verfügung, um ein Spiel komplett zu machen. „In Kempten können die Studierenden wirklich die ganze Kette kennenlernen: Vom Gamedesign, von der Erstellung und Aufnahme von Geräuschen als Rohmaterial bis zum fertigen Spiel, in welches die Soundelemente eingebettet werden. Das ist wirklich besonders, denn solche Möglichkeiten gibt es nicht an jeder Hochschule, die diesen Studiengang anbietet“, betont Professor Dr. Bernd Dreier, Dekan der Fakultät Informatik.

 

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Der Mehrwert

Als “Wwise Certified Instructor” darf Sebastian Kern die spezielle Wwise110-Certification abnehmen, die die praktischen Skills mit der Software nachweist. Diese Zertifizierung hilft nachweislich bei der Jobsuche im Sektor „Audio für Games“ und verbessert damit die Chancen, in diesem Bereich nach dem Studium tätig zu werden. Kempten ist eine von nur zwei Wwise-zertifizierten Hochschulen in Deutschland und darf sich somit „Wwise certified school“ nennen.

 

3 Fragen an...

Sebastian Kern, Laborleiter des SoundLabs:

1  Können Sie in einfachen Worten erklären, was besonders an der Software „Wwise“ ist?

Alle an der Entstehung eines Computerspiels Beteiligten können ihre Arbeit unabhängig voneinander machen. Mit Hilfe dieser Software wird am Ende alles zusammengeführt, ohne extrem in den Programmiercode eingreifen zu müssen. Alle „Einzelpakete“, die für ein Spiel benötigt werden, werden am Ende in ein großes Paket gepackt und dann ertönt das richtige Geräusch, die richtige Musik genau an der richtigen Stelle.

2  Was ist für Sie besonders wichtig bei der Arbeit mit den Studierenden?

Ich bin kein Fan von theoretischen Wissensabfragen. Die Studierenden sollen viel Praktisches erleben, Projekte machen und ausprobieren. Hier im SoundLab produzieren, mischen und bearbeiten die Studierenden ihre eigenen Geräusche. Da kommt es auch mal vor, dass Praktikanten des Wahlpflichtfaches „Sound und Komposition/Musik“ mit Kies, Töpfen, Geschirr, Blättern und anderen Gegenständen anrücken. 

3  Gibt es besondere Highlights beim Praktikum im SoundLab?

Einer der schönsten Momente ist das Abspielen des fertigen Werkes, in das alle Beteiligten unfassbar viel Arbeit, Energie und Kreativität gesteckt haben. 

 

Infos

Hochschule Kempten, Fakultät Informatik: Bachelor/Master „Game Engineering“, SoundLab
www.hs-kempten.de

TIPP: Computerspiel mit besonders passendem und immersivem Sound: „(The) Last of Us“

 

Text und Foto: Heike Stix