DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Festival der Zukünfte 2026 in Kempten

 

Eine Woche voller Impulse für eine nachhaltige Stadtgesellschaft

Wenn am 09. Mai das Festival der Zukünfte in Kempten beginnt, geht es nicht nur um Veranstaltungen, Vorträge und Kulturangebote, sondern vor allem um die Frage, wie eine zukunftsfähige Gesellschaft konkret gestaltet werden kann. Unter der Regie der Gemeinwohl-Gesellschaft e. V. arbeitet derzeit eine große Zahl von Initiativen und Unternehmen am vielfältigen Programm der Veranstaltung.

Die Idee für das breit angelegte Festival, das vom 09. bis 16. Mai 2026 stattfindet, entstand vor zwei Jahren mit dem Ziel, die ehrenamtlichen Initiativen der Region sichtbar zu machen und ihnen einen öffentlichen Raum zu geben. Wie Boris Winkelmann, einer der Organisatoren, erklärt, war die Ausgangsbeobachtung eindeutig: „Die ganzen ehrenamtlichen Initiativen krebsen herum, haben kein Geld für Öffentlichkeit und decken trotzdem vieles ab, was für eine bürgerliche Kultur wichtig ist.“ Man wollte das nicht länger im Verborgenen lassen, sondern in eine ansprechende Form bringen, die Mut macht, sich einzubringen und selbst aktiv zu werden. Das offizielle Programm beschreibt diese Zielsetzung als Einladung zu „Erfahrungs- und Begegnungsräumen“, in denen nachhaltige und solidarische Konzepte greifbar werden.

 

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Auftakt mit thematischer Tiefe

Das Festival beginnt mit einem zweitägigen Symposium am 09. und 10. Mai, das als impulsgebender Rahmen dient. Am Samstag stehen Themen wie nachhaltiges Wirtschaften, Gemeinwohl-Ökonomie, Diversität, neue Formen demokratischer Beteiligung und innovative Ansätze der Landwirtschaft auf der Agenda; sie sollen Orientierung geben und zum Nachdenken über eigene Handlungsmöglichkeiten anregen. Am Sonntag, der auf den Muttertag fällt, wird im Altstadthaus ein bewusst anders gestalteter Zugang zum Thema Fürsorge und gesellschaftlicher Verantwortung eröffnet. Ein interaktiver Online-Vortrag der Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth sowie Beiträge zweier langjähriger Filmemacherinnen, die in matriarchalen Kulturen gearbeitet haben, veranschaulichen alternative soziale und ökonomische Modelle.

Ab Montag öffnen dann Initiativen, Vereine und nachhaltige Unternehmen ihre Türen und gestalten die Aktionstage. Überall in der Stadt – etwa im Piepmatz, im Lollipop, im Kulturquartier, im Altstadthaus, im Salon, im Künstlercafé oder im Zumsteinhaus – finden Workshops, Vorträge, Informationsabende und Mitmach-Angebote statt. Die Veranstalter haben bewusst ein breites räumliches Netz geschaffen, damit unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreicht werden. „Wir wollten das über die ganze Stadt verteilen und nicht nur dort stattfinden lassen, wo ohnehin immer die gleichen Menschen hinkommen“, sagt Winkelmann. Diese Ausweitung soll neue Zugänge schaffen, zufällige Begegnungen ermöglichen und Engagement sichtbar in den Alltag der Stadt bringen.

Unternehmen wie Rapunzel, Primavera, die GLS Bank – die sogar mit einem Pop-up-Store für nachhaltiges Finanzmanagement präsent ist – und Allgäu Batterie engagieren sich aktiv oder durch ihre Unterstützung. Gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlichen Gruppen schaffen sie einen Dialog zwischen zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren. Obwohl sie aus unterschiedlichen Richtungen kommen, arbeiten sie gemeinsam an den gleichen Zukunftsfragen. 

Eine besondere Rolle spielt die Zukunfts-Challenge für Schulen, bei der Klassen in Kempten Orte besuchen, an denen Nachhaltigkeit praktisch umgesetzt wird. Für jeden gesammelten Stempel spenden regionale Unternehmen wie AÜW, ZAK oder EZA einen Betrag, sodass Gelder für eigene Nachhaltigkeitsprojekte an den Schulen entstehen. Diese Verbindung von Bildung, Engagement und städtischer Erkundung ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts.

 

Höhepunkt am Feiertag: das Zukunftsfest

Am Donnerstag, 14. Mai, der zugleich Christi Himmelfahrt und Vatertag ist, findet im Bereich der Allgäuhalle und des Kulturquartiers das Zukunftsfest statt – ein Markt der Möglichkeiten, bei dem sich alle beteiligten Initiativen präsentieren. Das Fest bietet Bio-Catering, solidarische Essensangebote, musikalische Beiträge von Chören, Tanzvorführungen des Kari Tanzhauses, eine SchulBigband sowie weitere regionale Künstler. Ein Jongleur zeigt eine eigens entwickelte Vorstellung zur Biodiversität und die „Stangenbohnenpartei“ stellt ihr Hofprojekt auf ungewöhnliche, humorvolle Weise vor. Am Abend sorgen regionale Musikerinnen und Musiker für den Party-Ausklang. 

 

Ein wachsendes Festival – und ein starkes Zeichen

Ursprünglich sollte der Donnerstag den Abschluss bilden, doch aufgrund der zahlreichen Anfragen wurden weitere Veranstaltungen für Freitag und Samstag ergänzt. Am Ende steht ein internes Abschlussfest für alle Mitwirkenden. Winkelmann fasst diese Entwicklung so zusammen: „Die Resonanz war derart stark, dass das Festival immer größer wurde – für uns sechs Leute im Kernteam ist es eigentlich überwältigend.“ So setzt das Festival der Zukünfte ein sichtbares Zeichen dafür, wie vielfältig gesellschaftliches Engagement in Kempten bereits ist – und wie wirksam es wird, wenn Menschen, Ideen und Institutionen zusammenkommen, um eine lebenswerte Zukunft aktiv zu 
gestalten. 

Weitere Infos: www.festival-der-zukuenfte.de

 

Text: Anke Roser