DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Widerstand zum Bauvorhaben am Bachtelweiher

 

Bachtelweiher spaltet die Gemüter

Der Bachtelweiher wird gerade zum Politikum. Die Busunternehmen Berchtold und Haslach wollen dort in die Freizeit und Gastro-Infrastruktur investieren. Eine Bürgerinitiative und weitere Personen aus der Nachbarschaft fürchten um Ruhe und Tierwelt. Das Kemptener Stadtmagazin hat auf beiden Seiten aktuelle Informationen und Einschätzungen gesammelt.

 

Helmut Berchtold im Porträtfoto
 

Helmut Berchtold stört sich am Adjektiv „touristisch-gewerblich“, das aus seiner und der Sicht seines Geschäftspartners Martin Haslach ihre Vision von einem Erholungsgebiet Bachtelweiher in einen falschen Kontext setzt. „Wir beide sind gebürtig aus dem Stadtteil Sankt Mang und mit dem Bachtelweiher groß geworden. Nichts liegt uns ferner, als aus dem beschaulichen Kleinod einen Vergnügungspark zu machen“, betont Berchtold, der zusammen mit  Haslach das Grundstück am Bachtelweiher 2022 erworben hatte, um dort einen Ladehub für die Elektrobusflotten zu errichten. Der Kemptener Stadtrat lehnte dieses Vorhaben ab, und so reifte die Idee, dort in die bestehende Freizeitanlage zu investieren, um ein neues, zeitgemäßes und naturnahes Freizeitangebot mit Gastronomie zu etablieren. Wichtig ist beiden herauszustellen, dass sich ihre baulichen Vorhaben nur auf das Grundstück beziehen, auf dem sich Restaurant und Minigolfanlage befinden. „Auf andere Bereiche wie Weiher, Rundwege oder Straßen haben wir keinen Einfluss“, so Berchtold im Gespräch mit dem Kemptener Stadtmagazin.

 

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Desolater Zustand – Sanierung dringend nötig

Die Auflösung des Pachtverhältnisses auf Wunsch des Pächters zum Jahresende 2025 war für Berchtold und Haslach der Anlass, die Investitionspläne zu konkretisieren. Die Anlage wurde in den 1960er Jahren errichtet – die Minigolfbahnen sind uneben, aufgeplatzt, nicht barrierefrei; die Entwässerungsrohre in schlechtem Zustand, was zur Verschlammung des Geländes führt. Auch bei der Gastronomie besteht Renovierungsbedarf – ungenügender Brandschutz, ungesicherte Elektroversorgung, teils unzulässige technische Einrichtungen: Die Mängelliste ließe sich beliebig fortsetzen. Darüber hinaus kam es häufig zu ungeklärten Parkplatzsituationen, Wildparken und Wildcamping. Und die defekten Spielgeräte zogen immer weniger Kinder an. Zudem musste der Baumbestand aus Verkehrssicherungspflichten verkleinert werden. Berchtold sagt: „Als Eigentümer tragen wir die Verkehrssicherungspflicht und können dieses Risiko nicht ignorieren. Aus Sicherheitsgründen ist es daher notwendig, Bäume zu entnehmen. Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht, da uns bewusst ist, wie wichtig der alte Baumbestand für das Landschaftsbild, das Mikroklima, die natürliche Verschattung und die Aufenthaltsqualität ist. Unser klares Ziel ist es, so viele gesunde Bäume wie möglich zu erhalten. Der Baumbestand soll auch künftig Schatten für die Minigolfanlage spenden und ein prägendes Element des Bachtelweihergartens bleiben.“

 

Kartenillustration von den geplanten Bauvorhaben
So soll es einmal aussehen, das neue Erholungsgebiet Bachtelweiher mit dem Veranstaltungsraum „Bachtelweiherhof“, einer Gaststube, einem Wohnmobilstellplatz mit Zeltwiese und einer neuen Abenteuer-Minigolfanlage

 

Hohe Investitionssumme

Aufgrund des schlechten Ist-Zustands entwickelten die beiden Busunternehmer ihre Vision einer aus ihrer Sicht zeitgemäßen, naturnahen Freizeitanlage. Einzige Bedingung für beide Unternehmer ist der wirtschaftliche Betrieb der Anlage. Gemeinsam sollen 8,3 Millionen Euro vor Ort über Finanzierung ohne auswärtigen Investor veranlagt werden. Berchtold und Haslach rechnen erst in 25 Jahren mit einem Return on Invest. 

Helmut Berchtold beschreibt die Vision vom Erholungsgebiet Bachtelweiher wie folgt: „Der zukünftige Bachtelweihergarten ist als kleinteiliges, naturnahes Angebot konzipiert. Geplant sind eine Gaststube mit regionaler Gastronomie, ein barrierearmer Minigolfplatz, ein Wohnmobilstellplatz mit 40 Stellplätzen und einer kleinen Zeltwiese sowie Aufenthalts-, Spiel- und Erholungsflächen. Minigolfplatz, Spielplatz sowie Gaststube und Biergarten bleiben frei zugänglich und richten sich ausdrücklich an die lokale Bevölkerung. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Einheimische ebenso wie Gäste des Wohnmobilstellplatzes zusammenkommen und regionale Speisen und Getränke mit Blick auf den Bachtelweiher genießen können.“

Die Gaststube soll – ähnlich wie bisher – über Innensitzplätze sowie einen Biergarten verfügen. Gaststube und Außenverkauf sollen ganzjährig geöffnet sein und damit auch in der Wintersaison Spaziergängerinnen und Spaziergänger sowie Gäste mit warmen Getränken und Gerichten versorgen. Ein weiterer geplanter Bestandteil des zukünftigen Bachtelweihergartens ist der „Bachtelweiherhof“ – eine Veranstaltungsstätte in traditioneller Allgäuer Holzbauweise. Sie soll einen niedrigschwelligen, lokal nutzbaren Raum bieten, der sich bewusst an Vereine, Firmen und Familien aus der Region richtet, die dort in Eigenregie Feierlichkeiten ausrichten können. Die beiden Unternehmer aus Sankt Mang möchten zeitnah mit dem Umbau beginnen. Wenn der Stadtrat zustimmt und keinen juristischen Einwänden stattgegeben wird, soll das Erholungsgebiet Bachtelweiher Pfingsten 2027 seinen Betrieb aufnehmen.

 

Demonstrierende Menschenmenge am verschneiten Bachtelweiher
Anfang Februar versammelten sich rund 350 Leute aus der Umgebung des Bachtelweihers, um gegen das aus ihrer Sicht überdimensionierte geplante Erholungsgebiet zu demonstrieren

 

Widerstand formiert sich

Nicht alle Personen in der Nachbarschaft des Bachtelweihers stehen den Plänen der beiden Busunternehmen wohlwollend gegenüber. Die Kritikerinnen und Kritiker erkennen zwar an, dass Investitionen notwendig seien, bemängeln das aktuell geplante Bauvorhaben jedoch als überdimensioniert. Befürchtet werden konkret Lärmbelastung, ein steigendes Verkehrsaufkommen und irreparable Eingriffe in die Natur. Zwei Anwohnerinnen des Stadtteils Ludwigshöhe, Diana Sabato und Alexandra Henke, starteten eine Internetpetition (openpetition.de), bei der bisher rund 2.440 Unterschriften (Stand Mitte Februar 2026) gegen die Pläne zum „Erholungsgebiet Bachtelweihergarten“ gesammelt wurden. Die Petition fordert unter anderem die Erstellung eines Verkehrsgutachtens und eine transparente Bürgerbeteiligung. Zudem gründete sich die Bürgerinitiative „Unser Bachtelweiher“, ein Zusammenschluss von Anwohnern, den Organisatorinnen der Petition und verschiedenen Naturschutzvereinen der Region Kempten, darunter der BUND Naturschutz. Vertreterinnen beider Organisationen stehen seitdem in stetigem Austausch mit Kommunalpolitiker:innen unterschiedlicher Parteien, um eine ernsthafte Einbindung in das Projekt und transparente Kommunikation zu erreichen.

 

„Einbeziehen – nicht übergehen“

Wie die stellvertretende Vorsitzende der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe, Sabine Zulauf, erzählt, nahmen viele Anwohner:innen besonderen Anstoß an einer in diesem Winter durchgeführten, unangekündigten Baumfällaktion auf dem Grundstück des Investoren-Duos (Anmerkung der Redaktion: Die Aktion geschah im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht der Grundstückseigentümer mit Genehmigung der Stadt Kempten, siehe Artikelteil links). 

Der anfänglich gute Austausch mit den Investoren sei seither ins Stocken geraten. „Wir, die Anwohner und Gruppierungen, die Bedenken gegen diese touristisch-gewerbliche Nutzung des Bachtelweihers haben, möchten mit unseren Sorgen bezüglich Verkehrs- und Lärmbelästigung sowie mangelndem Naturschutz ernst genommen werden“, so Sabine Zulauf. 

Anfang Februar luden die Organisatoren des Protests zu einer Kundgebung am Bachtelweiher ein. Rund 350 Anwohnerinnen und Anwohner folgten der Einladung in roter Kleidung und stellten sich zu einem Herz auf, um ihre Verbundenheit mit „ihrem Bachtelweiher“ auszudrücken. Michael Haslach besuchte die Veranstaltung und trat vor Ort mit den Demonstrierenden in den Dialog.
 

 

Text und Fotos: Jörg Spielberg, Illustration: Berchtold