DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Handchirurgie im Klinikum Kempten

 

Wenn jede Minute zählt – Handchirurgie im Alltag

Das Klinikum Kempten ist auf die Versorgung komplexer Verletzungen spezialisiert

Die Hände sind unser wichtigstes Werkzeug im Alltag. Sie schneiden Gemüse, tragen Einkaufstaschen, halten das Fahrrad am Lenker oder stützen uns reflexartig bei einem Sturz ab. Meist funktionieren sie ganz selbstverständlich – bis zu dem Moment, in dem etwas passiert.

Ein falscher Griff in die laufende Heckenschere, eine unachtsame Bewegung beim Schneiden mit dem Küchenmesser oder ein Sturz auf glattem Untergrund – Hand- und Armverletzungen gehören zu den häufigsten Unfallfolgen im häuslichen Umfeld. Was im ersten Moment „nur“ wie eine tiefe Schnittwunde aussieht, kann komplexe Schäden an Sehnen, Nerven oder Gefäßen verbergen. 

Für viele Betroffene entscheidet sich innerhalb kürzester Zeit, wie gut ihre Handfunktion wiederhergestellt werden kann. Im Allgäu übernimmt dabei das Klinikum Kempten eine zentrale Rolle: Als einziges Krankenhaus der Region mit Zulassung zum Schwerstverletztenartenverfahren (SAV) der Berufsgenossenschaften und als zertifiziertes überregionales Trauma-Zentrum ist es auf die Versorgung komplexer Verletzungen spezialisiert – auch dann, wenn Finger, Hände oder ganze Extremitäten betroffen sind.

 

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Das alltägliche Beispiel des Thomas M.

Es war ein ganz normaler Samstagnachmittag. Thomas M. wollte im Garten die Hecke zurückschneiden. Die Sonne schien, die Arbeit ging gut voran. Als er einen Ast zur Seite schob, rutschte er mit der Hand ab – direkt in das laufende Schneidwerkzeug. Der Schmerz war sofort da. Noch beunruhigender war jedoch, dass sich zwei Finger nicht mehr aktiv beugen ließen. Außerdem fühlten sie sich taub an. Seine Frau reagierte schnell und wählte den Notruf. Der Rettungsdienst brachte ihn direkt ins Klinikum Kempten, wo das Team des überregionalen Trauma-Zentrums bereits vorbereitet war.

 

Professor Täger im Porträt
Prof. Dr. Georg Täger ist ärztlicher Leiter des überregionalen 
Trauma-Zentrums am Klinikum Kempten

 

Faktor Zeit ist entscheidend 

„Bei komplexen Handverletzungen entscheidet die Zeit maßgeblich über den Behandlungserfolg“, erklärt Professor Dr. med. Georg Täger, ärztlicher Leiter des überregionalen Trauma-Zentrums. „Unser Vorteil ist, dass alle notwendigen Strukturen rund um die Uhr verfügbar sind – vom Schockraum über hochmoderne Operationssäle bis zur Intensivstation. Diagnostik und operative Versorgung können ohne Verzögerung erfolgen.“
 

Im OP zeigte sich das gesamte Ausmaß der Verletzung von Thomas M.: Mehrere Beugesehnen waren durchtrennt, ebenso ein sensibler Nerv und eine kleine Arterie. Die durchtrennten Sehnen, die sich bis in den Unterarm zurückgezogen hatten, wurden aufgesucht und mit einer speziellen Nahttechnik wieder verbunden. Eine einzelne gesunde Beugesehne muss Zugkräfte von bis zu zehn Kilogramm aushalten – entsprechend stabil muss die Rekonstruktion sein. Unter dem Operationsmikroskop in achtfacher Vergrößerung wurden anschließend die nur ein bis zwei Millimeter feinen Gefäße wieder zusammengenäht. Zuletzt verband das Team die verletzten Nerven mit feinsten Nähten, um die Sensibilität langfristig zu erhalten.

 

Feinste Strukturen auf engem Raum

Solche Eingriffe erfordern höchste Präzision, moderne technische Ausstattung und viel Erfahrung – denn selbst kleinste Strukturen entscheiden über die spätere Funktion der Hand. Handchirurgie ist ein besonders anspruchsvolles Feld. Auf engstem Raum verlaufen feinste Strukturen: Gefäße mit wenigen Millimetern Durchmesser, empfindliche Nervenbahnen und komplexe Sehnenmechanismen. Ihre Wiederherstellung verlangt spezialisierte Teams mit der Zusatzqualifikation Handchirurgie, moderne Ausstattung und eingespielte Abläufe.

Das Klinikum Kempten ist Teil des Trauma-Netzwerks der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und übernimmt die Versorgung von Schwerstverletzten aus dem gesamten Allgäu. Mit zwei jederzeit einsatzbereiten Schockräumen, spezialisierten OP-Teams und umfassender intensivmedizinischer Betreuung können auch komplexe Verletzungsmuster gleichzeitig behandelt werden.

Doch mit der Operation allein ist es nicht getan. Die Rehabilitation ist ein entscheidender Bestandteil der Behandlung. Je nach Verletzung wird ein individuelles Nachbehandlungsschema erstellt. Eine enge Abstimmung mit Ergotherapeutinnen und -therapeuten in der Region gewährleistet die nahtlose Weiterbehandlung. Engmaschige ärztliche Kontrolltermine sichern parallel den Heilungsverlauf.

 

Nervenregeneration braucht Geduld

Auch Thomas M. erinnert sich gut an die Wochen danach. Mit individuell angepassten Schienen und gezielten Bewegungsübungen wurde die Beweglichkeit Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Die Nervenregeneration brauchte etwas Geduld – denn Nerven wachsen nur langsam entlang ihrer natürlichen Hüllstruktur nach. Heute kann er seine Hand wieder uneingeschränkt einsetzen – beim Arbeiten, im Garten und im Alltag mit seinen Enkeln. „Erst wenn etwas nicht mehr funktioniert, merkt man, wie selbstverständlich man seine Hände nutzt“, sagt er. „Und wie wichtig es ist, im Ernstfall schnell am richtigen Ort zu sein.“

 

Trauma-Zentrum Klinikum Kempten

Klinikverbund Allgäu gGmbH
Robert-Weixler-Str. 50
87439 Kempten
Tel. 0831-530-0
traumatologie@klinikverbund-allgaeu.de
www.klinikverbund-allgaeu.de