Funktionale Lebensmittel für den Alltag
„Frauen sind bei Existenzgründungen in Deutschland mit einem Anteil von durchschnittlich 39 Prozent strukturell unterrepräsentiert. Eine bessere Mobilisierung von Gründerinnen ist somit ein wichtiges wirtschafts¬politisches Handlungsfeld“, schreibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf ihrer Website. In ihrem „Gründungsmonitor 2025“ weist sie als aktuellste Zahl sogar nur 36 Prozent Unternehmensgründungen durch Frauen aus, der Anteil an Gründerinnen echter Startups liegt noch deutlich niedriger. Im zeitlichen Umfeld von Weltfrauentag und Wählt-Frauen-Tag wollen wir deshalb gründungswillige Frauen und ihre Unterstützer:innen inspirieren und haben deshalb mit einer Gründerin aus Kempten gesprochen: Annika Schella hat Großes vor mit ihrem Startup „Samvia“. Wo sie gerade steht und was das Ziel ist, erzählt sie im Interview.
Lass uns mit den Basics einsteigen: Wie alt bist du und welchen beruflichen Hintergrund hast du?
Ich bin 23 Jahre alt, studiere im Bereich der Lebensmittel- und Verpackungstechnologie und habe mich zusätzlich mit einer Ernährungsberater-Lizenz weitergebildet. Geprägt wurde mein Interesse an Ernährung ganz stark durch meinen Hintergrund im Leistungssport, besonders durch die Vorbereitung auf Langdistanz-Triathlons und Ironman-Rennen. Diese Kombi aus Sport, Ernährung und Technologie bildet die fachliche Basis für mein Startup.
Was genau ist deine Idee? Und wie nennst du sie?
Meine Idee heißt Samvia Food. Ich entwickle pflanzliche, fermentierte Lebensmittel für den Alltag, die Darmgesundheit, Nährstoffdichte und Genuss verbinden. Samvia soll zeigen, dass gesunde Ernährung nicht kompliziert sein muss, sondern einfach in den Alltag integrierbar ist. Dabei denke ich das Produkt nicht nur aus Konsumentensicht, sondern auch aus ökologischer Perspektive mit dem Ziel, nachhaltige Rohstoffe und Kreislaufansätze in die Produktentwicklung einzubinden.
Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Die Idee ist aus meinem Sport heraus entstanden: Triathlon. Dadurch beschäftige ich mich seit Jahren intensiv mit Ernährung und habe gemerkt, wie groß der Einfluss von Lebensmitteln auf Leistungsfähigkeit, Regeneration und Darmgesundheit ist. Gleichzeitig ist mir aufgefallen, dass es nur wenige Lebensmittel gibt, die wirklich alltags-tauglich, natürlich und gut für den Darm sind. Das Interesse hat sich durch mein Studium in der Lebensmitteltechnologie weiter konkretisiert.
Was hast du nach der Idee als nächstes getan?
So richtig losgegangen ist es für mich, als ich letztes Jahr von Köln nach Kempten gezogen bin. Hier habe ich mich bei der Gründerbühne beworben, was für mich der Einstieg in die regionale Gründerszene war. Darüber hinaus bin ich schnell mit dem Startup Center der Hochschule in Kontakt gekommen, das mir Zugang zu einem starken Netzwerk bietet. Außerdem erhalte ich Beratung und Workshops zu allen wichtigen Themen, so dass ich die Idee von Samvia immer weiter entwickeln konnte. Parallel dazu habe ich begonnen an Events und Vernetzungstreffen teilzunehmen. So ist aus der anfänglichen Idee ein strukturiertes Projekt geworden.
Wer ist deine Zielgruppe?
Samvia richtet sich an Menschen, die sich bewusst gesund ernähren möchten, ohne dass Ernährung zum ständigen Verzicht oder zu einer richtigen Wissenschaft wird. An Menschen, die Wert auf Qualität, Natürlichkeit und ein gutes Körpergefühl legen. Langfristig sehe ich Samvia ganz klar als Alltagsprodukt, nicht als Nischenlösung für eine kleine Zielgruppe.
Wie analysierst du das Marktpotenzial und was sind bisher die Ergebnisse?
Ich analysiere den Markt sowohl aus fachlicher als auch praktischer Perspektive. Die Bereiche Fermentation, pflanzliche Ernährung und funktionale Lebensmittel wachsen stark, gleichzeitig fehlen Produkte, die alltagstauglich, geschmacklich zugänglich und nachhaltig gedacht sind. Die bisherigen Rückmeldungen aus Gesprächen, Tests und dem Umfeld zeigen deutlich, dass genau hier ein reales Bedürfnis besteht, das ich mit meinen Produkten ansprechen möchte.
Bitte beschreibe diese Produkte noch detaillierter. Was genau wird Samvia wie und wo herstellen?
Samvias erstes Produkt ist ein Müsli, dass man so noch nicht kennt: Crunchy Bites statt klassischer Flocken. Der Kern entsteht aus einer fermentierten pflanzlichen Basis, die anschließend so schonend veredelt wird, dass daraus ein stabiler, knuspriger Crunch entsteht. Fermentation neu gedacht. Nicht als Sauerkraut-Style, sondern als modernes Alltagsprodukt. Entwickelt und getestet wird das derzeit im Lebensmittel-Technikum (KLEVERTEC) der Hochschule Kempten, wo die Versuche und Prototypen entstehen und der Prozess Schritt für Schritt optimiert wird.
An welchem Punkt stehst du gerade und was sind die nächsten Schritte?
Im Moment befinden wir uns in der Test- und Entwicklungsphase. Vom erwähnten Müsli werden wir eine Pilotproduktion in kleiner Charge starten, um das Produkt im echten Alltag zu testen und weiter zu schärfen. Darüber hinaus stehen weitere Analysen und Entscheidungen zur Ausgestaltung der Samvia-Produktpalette an. Geplant ist, die Produkte immer zunächst in kleinen Schritten zu erproben, Rückmeldungen einzuholen und sie dann für den Markteintritt zu finalisieren. Außerdem geht es darum, die Marke weiter aufzubauen und die nächsten Schritte Richtung Markteintritt vorzubereiten.
Wo siehst du dich in zwei Jahren?
In zwei Jahren sehe ich Samvia als klar positionierte, innovative Food-Marke, die für fermentierte, alltagstaugliche Ernährung steht. Samvia soll dann nicht nur ein Produkt sein, sondern eine Plattform für neue Lebensmittelideen, bei denen Gesundheit, Nachhaltigkeit und Genuss zusammen gedacht werden. Auch das Thema Kreislaufwirtschaft soll dann eine noch größere Rolle spielen, etwa durch die Nutzung von Nebenströmen und nachhaltigen Rohstoffen.
Ist Kempten ein gutes Umfeld zum Gründen?
Ja, auf jeden Fall. Kempten bietet ein sehr persönliches und gut vernetztes Umfeld, in dem man schnell ins Gespräch kommt. Gerade für den Start ist das ein Vorteil, weil man die ganze Zeit im Austausch bleiben und ehrliches Feedback erhalten kann. Durch die Nähe zum Startup Center der Hochschule und zu Allgäu Digital geht mir der Input nicht aus, ich kann produktiv mit anderen zusammenarbeiten und habe eigentlich immer die passende Unterstützung, wenn ich Fragen habe oder Inspirationen brauche.
Text: Anke Roser, Fotos: Samvia Food