DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Nepsos - Gewinner der Allgäuer Gründerbühne 2025

 

Feinstaub killen – durch radikal bessere Bremsen

Wenn von Luftverschmutzung die Rede ist, denken die meisten Menschen an Auspuffgase. Dabei ist die Bremse des Autos viel schlimmer: Mehr als die Hälfte des Feinstaubs entsteht bei modernen Fahrzeugen durchs Bremsen. Genau hier setzt Marco Eichberger an. Der Maschinenbauingenieur aus dem Allgäu hat mit seinem Start-up Nepsos eine Technologie entwickelt, die das Problem radikal löst – und das nicht irgendwann, sondern pünktlich zur neuen EU-Abgasnorm Euro 7 im Jahr 2027.

 

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Die Fakten sind krass: Herkömmliche Bremsen stoßen über 20 Milligramm Feinstaub pro Kilometer aus. Der Grenzwert ab 2027 liegt bei 3 Milligramm. Ein himmelweiter Unterschied und mit etablierter Technologie kaum zu schaffen. Mit der patentierten Nepsos-Bremsscheibe sinkt der Ausstoß um mehr als 80 Prozent. Und das Beste: Die Scheibe hält ein Autoleben lang, ist korrosionsbeständig und spart durch Leichtbau Gewicht – was Elektroautos mehr Reichweite bringt. 

 

Riesiger, potenziell weltweiter Markt

Auch wirtschaftlich ist das spannend: Der globale Bremsenmarkt umfasst mehr als 20 Milliarden Euro jährlich. „Unser adressierbarer Markt sind 140 Millionen, er wird sich aber in den nächsten zehn Jahren verdoppeln aufgrund der Emissionsvorschriften und steigenden Materialpreise“, berichtet Marco Eichberger und rechnet vor: „Runtergebrochen auf ein Auto heißt das: vier Reifen und dementsprechend auch vier Bremsen, macht 500 Euro Umsatz. Wenn ich das mit nur 2% der jährlich neu zugelassenen Fahrzeuge in der EU multipliziere, kommen wir auf 200.000 Fahrzeuge. Das würde schon einem Umsatz von 100 Millionen Euro entsprechen.“

 

Neue Denkweise, neues Material

Das Geschäftsmodell? Erst eigene Produktion für Pilotkunden, später Lizenzierung an Hersteller. Der Ersatzteilmarkt und große Flottenbetreiber sind ebenfalls im Visier. Und warum gibt es diese Lösung nicht längst? Die Konkurrenz setzt bisher auf Filterlösungen, die meist schwer, teuer und weniger effizient sind. Nepsos geht einen anderen Weg – mit neuem Material und einer neuen Denkweise. „Wir wollen Millionen Fahrzeuge sauberer machen“, sagt Eichberger. Klingt nach einer Vision, die nicht nur die Bremse, sondern auch die Branche auf Touren bringen könnte.

 

3 Fragen an:

Marco Eichberger und sein Team arbeiten extrem innovativ. Wir wollen‘s genauer wissen.

1) Wie bist du auf die Idee für dein Startup gekommen und warum hast du es Nepsos genannt?

Ich bin während meiner Arbeit in der Automobilindustrie erstmals intensiv mit dem Thema Euro 7 in Berührung gekommen und hatte dabei das Gefühl, dass viele der bestehenden Lösungsansätze technisch nicht wirklich überzeugen. Im Rahmen meines Masterstudiums habe ich mich dann tiefer mit möglichen Alternativen beschäftigt und bin dabei auf einen Ansatz gestoßen, aus dem später unsere heutige Lösung entstanden ist – zunächst rein konzeptionell, später sehr konkret in der Entwicklung. Der Name Nepsos ist eher pragmatisch entstanden: Er leitet sich vom lateinischen Namen eines Insekts aus der Familie der Bremsen ab. Tatsächlich waren fast alle naheliegenden Namen rund um Bremse, Staub oder Reibung bereits vergeben.

2) Bitte beschreibe das Material, das ihr für eure Bremsscheiben nutzt, so genau wie du es kannst, ohne Geschäftsgeheimnisse zu verraten.

Die Patente sind zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht öffentlich, weshalb wir inhaltlich keine technischen Details preisgeben können. Sorry!

3) Ist es nur das Material oder macht ihr noch mehr anders als etablierte Hersteller?

Es ist ausdrücklich nicht nur das Material der Bremsscheibe. Mindestens genauso entscheidend ist der dazu passende Bremsbelag. Die Emissionen entstehen durch das Zusammenspiel beider Komponenten. Deshalb entwickeln wir die Bremsscheibe und den Bremsbelag konsequent gemeinsam. Nur so lassen sich Abrieb, Feinstaubemissionen und Performance ganzheitlich optimieren. 

 

Text: Anke Roser, Foto: Isenhoff