Große Blätter und Tankbänke
Der St.-Mang-Platz ist einer der schönsten Plätze der Stadt Kempten – zumindest aus der Perspektive der 0831-Redaktion im Ankergässele. An heißen Sommertagen wird der Platz allerdings von nur wenigen Menschen aufgesucht. Denn dann ist es einfach zu heiß. Deshalb heißt es im Winter: Bäume pflanzen, damit sie schnellstmöglich Schatten spenden können.
Die Stadt Kempten hat sich entschieden, durch gezielte Baumpflanzungen das Mikroklima des St.-Mang-Platzes zu verbessern. Schon im November begannen die entsprechenden Tiefbauarbeiten. Ziel der Planung ist es, die sommerliche Hitze durch zusätzliche Bäume als Schattenspender zu reduzieren. Die Baumstandorte werden mit großen Baumgruben (24 m³) ausgestattet, die Wasserversorgung ist durch Tankbänke sichergestellt. Im Zuge der Maßnahme würden auch bestehende Bäume, die sich nicht gut entwickelt haben, durch geeignetere Arten wie Platanen und Robinien ersetzt, berichtet Kemptens oberster Baumpfleger Josef Rauner.

Baum-Manager der Stadt Kempten
Der 35-jährige gebürtige Thannhausener (Landkreis Günzburg) studierte in Freiburg Forstwirtschaften und fand nach einer Station in Lörrach als Baumpfleger den Weg nach Kempten. Die Stadt betreut und pflegt insgesamt rund 35.000 Einzelbäume. Dazu werden noch 42 Hektar waldähnliche Fläche betreut, was in etwa 60 Fußballfeldern entspricht. „Zu den Aufgaben meines Teams und mir gehören die jährliche Kontrolle der Verkehrssicherheit der Bäume, die Nachkontrolle nach Sturmereignissen, die Koordination von Baumpflege- und Erhaltungsmaßnahmen, Fällungen, die Planung und Organisation von Baumpflanzungen sowie die Mitwirkung bei der Stadtplanung. Wir sind die Schnittstelle zur unteren Naturschutzbehörde“, so skizziert Josef Rauner sein Aufgabenfeld.
Baumbestand erhalten und vermehren
„Im Angesicht des Klimawandels ist es heute unerlässlich den Baumbestand einer Stadt zu kontrollieren und gegebenenfalls auch zu erweitern. Stadtbäume binden CO2, bilden H2O, fungieren als Wasserspeicher, begünstigen das Kleinklima, sind Schattenspender, Lärmschutz und Luftfilter“, schwärmt der Baum-Manager und ergänzt: „Die Stadt Kempten arbeitet am Erhalt und an der langfristigen Vermehrung ihres Baumbestands.“
Besonderes Augenmerk legen die Verantwortlichen auf die sukzessive Erhöhung der Biodiversität im Baumbestand. Das hilft, Puffer gegen Baumerkrankungen, Klimawandel und neue Schädlinge zu schaffen. Darüber hinaus setzt die Stadt auf sogenannte Zukunftsbäume, die voraussichtlich den klimatischen Veränderungen standhalten.
Dabei orientiert man sich an aktuellen Forschungsergebnissen sowie eigenen Versuchen mit fremdländischen Baumarten. Zu den häufigsten Baumarten im Stadtgebiet gehören der Berg-Ahorn, die Winter-Linde und die gemeine Esche, wobei Eschen derzeit unter dem Eschentriebsterben, einer ostasiatischen Pilzerkrankung, leiden. Eine aufgrund dieser Erkrankung umgestürzte Esche führte den Sommer über zur Sperrung des Hermannstobels.
Text und Fotos: Jörg Spielberg