DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Allgäuer Holztag 2025

 

Pole Position für Allgäuer Holzwirtschaft

„Holztag Allgäu 2025" plädiert für nachhaltiges Bauen

Wenig bekannt ist, dass die Bauwirtschaft weltweit zu den größten Klimasündern gehört. Allein bei der Herstellung von Baustoffen zur Errichtung und Modernisierung von Gebäuden werden etwa acht Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen produziert. Das entspricht ungefähr den CO2-Emissionen des jährlichen Flugverkehrs aller Deutschen. Um diesen negativen Trend zu brechen, soll Holz der Baustoff der Zukunft sein. 

 

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Mit dem Baustoff Holz kann CO2 in langlebigen Gebäuden verbaut und somit gespeichert werden. Das Allgäu ist eine Holzregion. Das zeigte sich eindrucksvoll beim „Holztag Allgäu 2025" im Kornhaus. Auf Einladung des Holzforums Allgäu diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Handwerk und Tourismus über Holz als Schlüsselressource für die Zukunft der Region. Als bekanntes Gesicht der Klimaforschung konnte Professor Hans Joachim Schellnhuber für die Veranstaltung gewonnen werden.

 

Wertschöpfungskette Holz

Sehr deutlich wurde die Vielfalt der Akteure, die im Allgäu entlang der Wertschöpfungskette Holz arbeiten – von Waldbesitzern und Forstbetrieben über Zimmereien, Sägewerke und Schreinereien bis zu Architekten, Ingenieuren und Bildungseinrichtungen. Die Veranstaltung zeigte, dass deren Vernetzung u. a. im Holzforum Allgäu das Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit ist. Hugo Wirthensohn, Vorsitzender des Holzforums Allgäu, betonte, dass dies als entscheidender Vorteil des Allgäus im Wettbewerb gilt. 

 

Holz als CO2 Speicher

Hans Joachim Schellnhuber, Gründer von „Bauhaus Erde“ und renommierter Klimaforscher, bezeichnete Holz in seinem Impulsvortrag als das „beste Material der Welt“ und erklärte, warum der Wechsel vom mineralischen zum organischen Bauen entscheidend zur Begrenzung der Erderwärmung beiträgt. Sein Konzept der „Waldpumpe“ beschreibt einen Kreislauf, bei dem nachhaltige Forstwirtschaft reifes Holz erntet, in langlebigen Gebäuden verbaut und so CO2 speichert. Wiederholte Zyklen entfernen Kohlenstoff günstiger und effizienter aus der Atmosphäre als technische Verfahren. „Die gebaute Umwelt ist der größte Klimasünder – und kann mit Holz zum größten Klimahelden werden“, stellt Schellnhuber fest. 

 

Waldregion Allgäu

Vor der Podiumsdiskussion wurden den Besuchern zentrale Fakten zur Rolle von Wald und Holz in der Region vorgestellt. 30 Prozent des Allgäus, das sind rund 140.000 Hektar, sind bewaldet. Der Wald prägt das Landschaftsbild, speichert CO2 und ist eine Quelle regionaler Wertschöpfung. Verbautes Holz gehört im Allgäu seit jeher zur Tradition. So liegt es nahe, dass es derzeit auch Eingang findet in eine moderne, zeitgemäße Architektur. Es gibt bereits eindrucksvolle Zeugnisse modernen Holzbaus in der Region wie den neuen Kindergarten in Waltenhofen oder das bundesweit ausgezeichnete Holzhochhaus der Sozialbau im Thingers. Genau diese Leuchtturmprojekte meinte auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle, als er in der anschließenden Diskussion die Frage in den Raum stellte: „Holz ist identitätsstiftend für unsere Region. Wer, wenn nicht wir im Allgäu, ist prädestiniert zur nachhaltigsten Region Deutschlands zu werden?“

 

Bauordnungen öffnen

Matthias Brack, Schreinermeister und Vorstand im Holzforum, unterstrich diesen Gedanken. Immerhin – die rund 900 holzverarbeitenden Betriebe im Allgäu sichern fast 10.000 Arbeitsplätze. Alexander Gump, Vorstand von ProHolz Bayern, forderte: „Wir müssen vom Reden ins Tun kommen. Unsere Branche ist bereit – wir haben die Kapazitäten. Jetzt braucht es den politischen Willen, Holzbau als Standard festzuschreiben. Es ist Zeit Bauordnungen zu öffnen.“ 

Professor Guido Sommer von der Hochschule Kempten machte deutlich, dass Holz nicht nur für Bauwirtschaft und Klimaschutz, sondern auch für den Tourismus Impulse geben kann. Gäste kommen wegen der intakten Natur, der Kulturlandschaft und der Baukultur ins Allgäu. Alle Teilnehmer des Holztages stimmten darin überein: Das Allgäu hat die Ressourcen, das Know-how und die Netzwerke, um sich in puncto nachhaltiger, klimaschonender Holzverarbeitung bundesweit an die Spitze zu setzen.

 

Foto: Allgäuer Holztag 2025, Text: Jörg Spielberg