Annalisa Olivieri betreibt beim Lyzeum ein Café mit Pizza, Panini und Backwaren. Aus voller Überzeugung hat sie sich damit „Too Good To Go“ angeschlossen: „Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern ein fester Bestandteil unseres Alltags. Deshalb sind wir bereits seit dem Tag unserer Eröffnung Partner von Too Good To Go. Für uns ist die App eine wunderbare Möglichkeit, Lebensmittelverschwendung aktiv entgegenzuwirken und gleichzeitig Menschen die Chance zu geben, hochwertige Speisen zu einem günstigen Preis zu genießen.“
Die Resonanz war von Anfang an überwältigend, berichtet Annalisa Olivieri. Die Überraschungstüten sind regelmäßig innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, viele Gäste freuen sich jedes Mal, wenn sie eine ergattern. „Besonders schön ist es zu sehen, dass zahlreiche Kundinnen und Kunden unseren Betrieb zunächst über Too Good To Go kennenlernen und später als reguläre Gäste wiederkommen“, hebt sie einen weiteren Nutzen der App hervor.
Idee aus Dänemark
Ursprünglich kommt die App aus Dänemark. Jamie Crummie aus Kopenhagen jobbte als Teenager in Supermärkten und im Gastgewerbe. Aus erster Hand erfuhr er damals, wie viele Lebensmittel, die am Abend nicht verkauft oder auf Frühstücksbuffets liegen geblieben waren, im Hausmüll landeten, obwohl sie noch hervorragend für den Verzehr geeignet waren. Jamie war zu dieser Zeit als Heranwachsender schon Aktivist in einigen NGOs und wollte proaktiv mithelfen, die weltweite Lebensmittelverschwendung einzudämmen. So knüpfte er Kontakte zu Geschäftsinhabern und Hotels, um eine alltagstaugliche Lösung für das Problem zu entwickeln. Die entstand schließlich durch die Entwicklung einer App, die heute weltweit genutzt wird: Too Good To Go.
Die App verkauft im Dialog mit Bäckereien, Supermärkten, Hotels, Tankstellen, Restaurants und Cafés überschüssige Lebensmittel an Verbraucher zu einem stark reduzierten Preis. Man öffnet die App, sucht ein Geschäft in seiner Nähe und kauft direkt über die App eine sogenannte „Überraschungstüte“ (Magic Box), die häufig Lebensmittel zu einem um 50 bis 70 Prozent reduzierten Preis enthält. Lara Schicketanz, die beim 0831 für Online und Social Media zuständig ist, schwört darauf: „Unsere ganze Familie nutzt die App, spart sich so Geld und hilft mit, Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Dabei bestellen wir uns nicht nur Brot und Semmeln, sondern durchaus auch Döner, Asian Food, Salate oder Gemüse aus dem Supermarkt.“
Regionale Anbieter und große Ketten
Weltweit haben sich bereits 180.000 Unternehmen dem Warenwirtschaftsmodul zur Digitalisierung des Mindesthaltbarkeitsdaten-Managements angeschlossen. Für die App infrage kommende Lebensmittel können zum Beispiel Backwaren sein, die am Abend bei der entsprechenden Bäckerei abgeholt werden, aber auch andere Lebensmittel, fertige Mahlzeiten und sogar Blumen sind zu haben. Vor Ort wird man aufgefordert, die Reservierung per Swipe persönlich zu bestätigen. Dann können die Lebensmittel direkt entgegen genommen werden.
Neben regionalen Anbietern von Lebensmitteln haben sich auch große Ketten wie Backwerk, Aral, Edeka, Nordsee oder der Biomarkt-Verbund bei Too Good To Go registriert. Wie so vieles ist auch dieses System nicht frei von Kritik: Manche sozialen Initiativen, etwa die Tafeln, befürchten durch die App einen Rückgang an Spenden, andere wittern Missbrauch und unterstellen Unternehmen, die Überraschungstüten lediglich mit Mustern zur Eigenwerbung zu befüllen. Doch nicht nur Annalisa Olivieri und Lara Schicketanz sind überzeugt von dem Prinzip – deutschlandweit nutzen es bereits mehr als 10 Millionen Menschen, was ganz sicher jeden Tag Unmengen an Lebensmitteln rettet.
Text und Fotos: Jörg Spielberg
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