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Grünes Abitur im Trend bei Frauen

Immer mehr Frauen finden Gefallen an der Jagd. Fast 468.000 Jägerinnen und Jäger gibt es in Deutschland. Frauen machen mit elf Prozent zwar noch immer einen kleinen Teil der Community aus, doch der Frauenanteil an Jagdschulen ist in den letzten zehn Jahre auf aktuell 25 Prozent gestiegen. Über den Reiz des Jagens haben wir mit einer Allgäuer Expertin gesprochen.

Jagen gilt seit der Steinzeit als typische Tätigkeit von Männern. Die jüngste Geschichtsforschung zeigt allerdings, dass in vielen menschlichen Gemeinschaften auch die Frauen an der Jagd beteiligt waren, und zwar intentional, das heißt, Frauen gingen gezielt auf die Jagd, um Beutetiere für den Nahrungserwerb zu erlegen. Zu einer Männerangelegenheit wurde die Jagd erst, als sie nicht mehr einzig dem Überleben diente, sondern mit Prestige und dem Zurschaustellen von Reichtum und Macht verbunden wurde.

Neuerdings verzeichnen die Jagdverbände in Deutschland einen Trend, dass immer mehr Frauen einen Jagdschein, auch „grünes Abitur“ genannt, erwerben wollen. Die Gründe für diesen Anstieg sind vielschichtig – auch wenn eine echte Expertin auf dem Gebiet, Paula Wölfle aus Dietmannsried, ihnen wenig Bedeutung bemisst: „Es sollte völlig normal sein, wir Frauen gehen aus dem gleichen Grunde wie die Männer auf die Jagd, dazu bedarf es keiner Erklärung“, findet die Jagdpächterin von Krugzell, die seit 38 Jahren Jägerin ist.
 

Jagd als intensive Naturerfahrung

Mit veränderten gesellschaftlichen Rollenbildern probieren heute mehr Frauen Aktivitäten aus, die früher überwiegend Männern zugeschrieben wurden. Viele Frauen suchen zudem bewusst einen Ausgleich zum Alltag und möchten viel Zeit in der Natur verbringen. Jagd bietet intensive Naturerfahrung, Achtsamkeit und Ruhe – Dinge, die für viele immer wichtiger werden. Auch die Jagdhunde-Ausbildung ist für viele Frauen Motivation, sich mit der Jagd zu beschäftigen.

Ein weiterer Faktor ist die gestiegene Sensibilität für Ernährung. Wer Fleisch verzehren möchte, will dies häufig ohne schlechtes Gewissen gegenüber Tieren und mit Blick auf die eigene Gesundheit tun. Selbst zu jagen bedeutet zu wissen, woher das Fleisch kommt und wird oft als nachhaltiger und ethischer empfunden als industrielle Tierhaltung. Zu guter Letzt sind Jagdkurse und Jagdgemeinschaften heute offener und inklusiver geworden, Jägerinnen erfahren mehr Präsenz in Social Media und Medienberichten, wie zuletzt auch in der rbb-Doku „Frauen auf der Pirsch – Die Jagd ist weiblich“ (siehe ARD-Mediathek).  
 

3 Fragen an...

Paula Wölfle aus Dietmannsried, die seit 38 Jahren jagt und Mitglied bei den Kreisjagdverbänden Kempten 
und Marktoberdorf ist.

  1. Wie kamen Sie zum Jagen, wann haben Sie Ihren Jagdschein gemacht und was muss man dafür wissen? 
    Ich bin in einer typischen Allgäuer Landwirtschaft aufgewachsen. Fauna und Flora zu beobachten und benennen zu können, haben meine Geschwister und ich schon früh gelernt. Die Prüfung habe ich 1989 vollständig abgelegt. Damals gab es die Bereiche Wildhege und Naturschutz, Wildkunde, Jagdpraxis, Jagdhunde, Wildkrankheiten, Waffen, Jagdrecht, Land- und Waldumbau.
     
  2. Was bedeutet Ihnen die intensive Naturbeobachtung beim Jagen? Und welchen Vorteil hat es, das Fleisch zum Verzehr selbst zu erlegen statt es zu kaufen? 
    Es bedeutet für mich, am Leben in der Natur teilzuhaben und die Abläufe kennenzulernen. Es ist faszinierend, das in der Theorie Erlernte in der Natur bestätigt zu bekommen. Beim Wild habe ich die Lebendschau, ich entnehme es ohne Stress aus der freien Natur und es hat sich nur aus der freien Natur ernährt, ohne Medikamente.
     
  3. Sie nutzen die App „Waldfleisch“ – was hat es damit auf sich?  
    Jeder Jäger kann seine portionierten Stücke mit Gewicht und Preis in die App stellen. Sie funktioniert im Umkreis von etwa 50 Kilometern und es steht auch wirklich nur das drinnen, was vorrätig ist. Das hat ein paar starke Vorteile: Frische und Vertrauen: Man weiß genau, woher das Fleisch kommt. Direkter Kontakt: ohne Zwischenhandel – gut für Jäger und Käufer. Nachhaltigkeit: Regionaler Konsum statt Massenware. Und schließlich Transparenz: Kein Rätselraten bei Preis oder Menge.

 

Text: Jörg Spielberg, Fotos: Nicolai Dürbaum, Unsplash, Illustrationen: Freepik