Das Hintersteiner Tal gehört zu den schönsten Ecken des Oberallgäus. Wer Natur, Bewegung und eine leckere Einkehr miteinander verbinden möchte, findet mit den Alpen Plättele und Laufbichl zwei lohnende Ausflugsziele im Obertal.
Per E-Bike oder Bio-Bike ist allein schon die Anfahrt eine Freude, denn es geht auf einer nahezu autofreien Fahrstraße von Hinterstein Richtung Giebelhaus. Immer wieder eröffnen sich neue, wunderbare Ausblicke in die alpine Landschaft. Der Anstieg verteilt sich bis auf wenige Ausnahmen relativ sanft, nur die sagenumwobene „Eisenbreche“, wo sich weit unten die Ostrach durch eine enge Klamm schiebt, verlangt etwas mehr Einsatz. Bei Rennradfahrern erweckt auch der „Sausteig“ gegen Ende der Strecke Respekt. Alternativ geht es ab Hinterstein mit dem Giebelhaus-Bus bis zum gleichnamigen Berggasthof. Danach führt die Tour immer weiter das Tal hinauf und mitten hinein in die imposante Bergwelt des Naturschutzgebiets Allgäuer Hochalpen.
Entspannte Murmeltiere
Lässt man ab der Alpe Engeratsgund den Blick nach rechts auf die Wiesenhänge schweifen, entdeckt man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Murmeltiere. Die putzigen Nager haben sich an die Menschen gewöhnt und genießen entspannt die Sonne – nur gelegentlich lassen sie ihren markanten Warnpfiff hören. Mit viel Glück kann man auch einen Adler sehen, denn diese nisten in der Nähe des markanten Giebelgipfels und regeln auf ihre Art die Population der Murmeltiere.
Auf der Alpe Laufbichl (1.250 m) wartet eine Einkehr, wie man sie sich wünscht: Wirtin Melanie Rinderle verwöhnt ihre Gäste auf der Terrasse mit selbst gebackenen Kuchen und deftigen Brotzeiten. Weit über das Tal hinaus bekannt ist der prämierte Laufbichler Bergkäse, den ihr Mann Martin in eigener Herstellung fertigt, und von dem man unbedingt ein Stück mitnehmen sollte. Die Söhne, Helfer und Helferinnen, die uralte Katze, Schweine und Häschen gehören alle mit zur Alpfamilie. Oberhalb liegt die Alpe Langenfeld, von der aus eine fast schon historisch anmutende Seilbahn die Milch zum Käsen herunterbringt. Flächenmäßig ist die Alpe Laufbichl die größte Sennalpe Deutschlands.
Noch etwas weiter hinten im Tal lädt die Alpe Plättele (1.350 m) zu einer urigen Rast ein. Mit ihren über 400 Jahren gehört sie zu den ältesten Alpgebäuden im Oberallgäu. Im wunderschönen Garten, umgeben von saftigen Bergwiesen und beeindruckender Alpenkulisse, genießt man hier die Natur in aller Ruhe. Wirtin Maria Karg hat die Bewirtschaftung in dritter Generation von ihren Eltern übernommen und kümmert sich seit 2018 um das Vieh und das Wohl ihrer Gäste. 120 Stück Jungvieh, zwei Schweine, sieben Ziegen, zwei Katzen und sechs Hühner, dazu fünf Kälber, vier Kühe, zwei Pferde und zwei Esel sind auf dem Plättele und seinen Weiden zu Hause.
Buttermilch und Weichkäse
Das bedeutet viel Arbeit: Wenn Maria „ihre“ Kühe mit Namen ruft, kommen sie selbstständig zum Melken. Die Milch wird per Zentrifuge getrennt. Mit Joghurt, Quark, Butter, Käse und Buttermilch bewirtet Maria ihre Gäste, die Magermilch geht an die Schweine. „Ganz besonders gut schmecken den Ausflüglern unsere Buttermilch und der Weichkäse. Am beliebtesten ist aber die herzhafte Plättele-Brotzeit für zwei Personen“, so Maria, die als Erzieherin arbeitet, wenn nicht gerade Bergsommer ist.
Beide Alpen sind sogenannte Sennalpen, was bedeutet, dass nicht nur Jungvieh dort weidet, sondern Kühe, die täglich gemolken werden. Die Tiere stammen aus verschiedenen Landwirtschaften im Tal und verbringen den Sommer gemeinsam auf den Alpen. Zum Saisonende werden sie wieder ins Tal gebracht, wo sie zurück zu ihren Besitzern gehen. Dann wird die Herde verteilt, also „geschieden“, bekannt als Viehscheid – aber das ist ein ganz eigenes Thema...
Hintersteiner Tal
- Parken: kostenlos in Bad Hindelang am Kurhaus oder gegen Gebühr am Parkplatz Säge auf dem Weg nach Hinterstein oder auf verschiedenen Parkplätzen in Hinterstein
- Distanzen: von Hinterstein zum Giebelhaus knapp 10 km, zur Alpe Laufbichl 12 km und zur Alpe Plättele 13 km
- Saison: Anfang Juni bis Anfang Oktober
Text: Eva Konzelmann, Fotos: Eva Konzelmann, Michael Maurus
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