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Initiative für eine smartphonefreie Kindheit

In einem Jahr, wenn das Schuljahr 2027 startet, sollen in Kempten möglichst viele weiterführende Schulen smartphonefreie Klassen anbieten. Das ist das Ziel einer Elterninitiative, die sich vor kurzem im Rahmen der bundesweiten Aktion „Smarter Start: Erst Kindheit. Dann Smartphone“ gegründet und bereits schulübergreifend vernetzt hat – und unterstützt wird von Deutschlands bekanntestem Jugendforscher Simon Schnetzer.

Beim ersten Vernetzungstreffen kamen Eltern und Lehrkräfte aus insgesamt 14 Schulen in Kempten und Umland zusammen – darunter neun Grundschulen und fünf weiterführende Schulen, inklusive aller Kemptener Gymnasien. Gemeinsames Ziel: smartphonefreie Klassen durchsetzen und möglichst viele Familien dazu bewegen, ihren Kindern frühestens ab 14 Jahren ein eigenes Smartphone zu geben – damit eine smartphonefreie Kindheit möglich wird und smartphonelose Kinder keine Außenseiter sind.
 

Wachsende regionale Gruppen

Die Kemptener Gruppe gehört zur bundesweiten Initiative „Smarter Start“ und zur weltweiten Elternbewegung Smartphone Free Childhood. In Kempten und Umland zählt sie bereits rund 80 Mitglieder in fünf Schulgruppen und einer Regionalgruppe – und es werden immer mehr. Auch in Immenstadt ist sie stark verankert.

Prominente Unterstützung erhält die Initiative von Simon Schnetzer, Deutschlands renommiertestem Jugendforscher, dessen Kinder Schulen in Kempten und Umland besuchen. Seine Jugendstudien liefern bundesweit beachtete Daten zur Smartphone- und Mediensucht unter Jugendlichen. Er sagt: „60 Prozent der jungen Menschen in Deutschland zeigen suchthaftes Nutzungsverhalten von Smartphones. Ich engagiere mich für Smarter Start ab 14, um Medienkompetenz zu fördern und diese Gefahr so lange wie möglich herauszuzögern. Ganz persönlich wünsche ich mir, dass meine Kinder beim Übertritt zur weiterführenden Schule eine smartphonefreie Klasse wählen können.“ Wir haben mit einer der Initiatorinnen der Regionalgruppe Kempten über verschiedene Aspekte des Themas gesprochen.
 

3 Fragen an...

Amelie Huber, Smarter Start ab 14, Kempten

  1. Warum ist frühes Smartphone-Nutzen gefährlich? 
    Smartphones beeinträchtigen die Hirnentwicklung, weil reale Erfahrungen wie freies Spiel, soziale Interaktion und Motorik verdrängt werden. Sie erzeugen nachweislich dieselben Suchtmechanismen wie Alkohol oder Drogen, verschlechtern Konzentration und Schulleistungen, erhöhen das Risiko für Depressionen und Angststörungen – und setzen Kinder Cybermobbing, Grooming und jugendgefährdenden Inhalten aus, gegen die der Jugendschutz im Internet weitgehend versagt.
     
  2. Warum gilt 14 als ideales Einstiegsalter? 
    Mit 14 sind Jugendliche entwicklungspsychologisch besser gewappnet: Sie haben gefestigte Hobbys und Freundschaften, haben den Schulwechsel bewältigt und sind stabiler in ihrer Identität. Rechtlich markiert das 14. Lebensjahr in Deutschland aufgrund von Strafmündigkeit, Religionsmündigkeit und Jugendschutzgesetz ohnehin eine Schwelle. Allerdings: Die „Smarter Start“-Initiative plädiert dafür, bis 14 zu warten – nicht dafür, dass 14 der ideale Zeitpunkt ist. 14 ist also eher als Mindest-, nicht als Idealalter gedacht.
     
  3. Wie unterscheiden sich Smartphonefreie Klassen vom aktuellen Vorgehen in vielen Schulen, bei dem Handys ja in der Regel im Ranzen bleiben müssen? Und was ist mit Tablets? 
    Das Schulverbot greift nur während der Unterrichtszeit – an der Gesamtnutzung ändert es nichts. Smartphonefreie Klassen gehen weiter: Eltern verpflichten sich, ihrem Kind bis zur 6. oder 7. Klasse auch in der Freizeit kein eigenes Smartphone zu geben. Dadurch wird kein Kind zum Außenseiter. Laptops und Tablets können weiter für den Unterricht genutzt werden – ihr Vorteil: sie haben kein Mobilfunknetz, keine Dauerbenachrichtigungen und sind nicht ständig griffbereit.
     

Mitmachen & vernetzen

Interessierte, die Teil der Elterninitiative „Smarter Start in Kempten“ werden oder sie unterstützen möchten, können sich über die Website informieren und über die Postleitzahl den lokalen Gruppen beitreten: www.smarterstartabl4.de

Kontakt für Rückfragen:
Amelie Huber, Elterninitiative „Smarter Start in Kempten“
smarterstartkempten@eclipso.de